Ein paar Gedanken zum Umgang mit Ärger im Job
Es gibt Tage, da könnte man sprichwörtlich die Wände hochgehen. Als Geschäftsführer einer gemeinnützigen Organisation, die tagtäglich versucht, im Dschungel aus Bürokratie, Förder- bzw. Kürzungsentscheidungen und manchmal auch weltfremden Rahmenbedingungen das Beste für Kinder, Familien und Nachbarschaften und auch für unsere Mitarbeitenden herauszuholen, kenne ich das nur zu gut.
Manchmal sind es eben genau diese Momente, in denen man merkt: Da steigt Wut auf. Wut über Entscheidungen, die von irgendwelchen staatlichen Stellen getroffen werden, ohne die Realität unserer Arbeit wirklich zu verstehen. Wut auch manchmal über Personen, die stur an alten Überzeugungen, Haltungen oder unzweckmäßigen Regeln und Prinzipien festhalten und nicht sehen, was direkt vor ihrer Nase passiert oder aber einfach nur davon ausgehen, dass ihre Sicht der Dinge, die einzig Richtige ist und dass es zwischen schwarz und weiß keine Grautöne gibt. Inkompetenz gepaart mit Ignoranz und Überheblichkeit macht mich rasend. Noch dazu, wenn diese Personen oder die Institutionen, die sie repräsentieren, eine „Machtstellung“ haben.
Ich habe gelernt, und lerne immer noch, dass Wut oft nur die Oberfläche ist. Darunter liegen manchmal Gefühle von Frustration, von Ohnmacht, von dem Gefühl, dass man nicht gesehen oder nicht ernstgenommen wird. Und wenn man diese eigentlichen Gefühle nicht anspricht, dann knallt die Wut eben irgendwann an völlig unpassender Stelle raus – vielleicht in der Partnerschaft oder in stillen, negativen inneren Monologen, die einen auf Dauer eher belasten.
Psycholog:innen sagen übrigens, dass Wut an sich nichts Schlechtes ist. Sie ist ein Signal, das uns zeigt, dass etwas nicht stimmt. Die Kunst liegt darin, bewusst damit umzugehen. Fachleute empfehlen zum Beispiel, die Wut erst einmal wahrzunehmen, ohne sie sofort zu unterdrücken. Tiefes Atmen oder auch körperliche Aktivitäten können helfen, die erste Spannung abzubauen. Fast alle raten auch dazu, mit vertrauten Personen über die eigenen Gefühle zu sprechen oder ein Tagebuch zu schreiben, um die eigentlichen Ursachen der Wut besser zu verstehen.
Ich selbst habe hierzu auch meine „Glücksinsel-Strategie“ schon vorgestellt……das hilft mir sehr oft (aber eben nicht immer).
Letztlich, so heißt es, geht es darum, sich selbst zu fragen: Was steckt wirklich hinter meiner Wut? Auf welches „Grundgefühl“ hat sich diese Wut draufgesattelt?. Und was mache ich mit diesem Grundgefühl? Und auch immer wieder hilfreich: Ich frag mich „ist das in einem Jahr noch wichtig?“ So kann ich oft etwas Distanz gewinnen und die Situation ein bisschen klarer einordnen.
Aber was, wenn das nicht gelingt und die „Wutauslöser“ nicht zur Klärung bereit sind oder zur Verfügung stehen?
In diesem Blogartikel möchte ich also nicht nur meine Gedanken teilen, sondern auch euch fragen: Wie geht ihr mit Wut um? Was hilft euch, einen gesünderen Umgang damit zu finden, bevor sie überhaupt überkocht? Teilt gerne eure Strategien und Erfahrungen – ich bin gespannt, was wir voneinander lernen können.