Es ist lange her, dass mich ein Text so bewegt und aufgewühlt hat, wie der nachfolgende von Sabine Asgodom . „Wo wirst du sein, wenn sie sie holen?“. Dieser Text greift auf, was wir spätestens seit den correctiv Veröffentlichungen vom 10.1.24 alle wissen: Die AFD plant mit Partnern aus ihrem rechten Netzwerk die massenhafte Deportation von Menschen, die ihrer Meinung nach nichts in Deutschland zu suchen haben: Deutsche mit Migrationshintergrund, Nicht-Deutsche, Geflüchtete, Menschen die Geflüchtete unterstützen….. Und das ist erst der Anfang.
Wären das „nur“ ein paar dumme Spinner, könnte man nach dieser Meldung möglicherweise zur Tagesordnung übergehen. Aber: Die AFD ist nach der aktuellen Sonntagsumfrage bei der nächsten Bundestagswahl mit 22% die zweitstärkste Partei. In den ostdeutschen Bundesländern ist sie schon die stärkste der Parteien. Und sie planen für die Zeit nach ihrer Machtergreifung.
Der Text von Sabine Asgodom macht sehr konkret, was uns alle erwartet. Er stellt Fragen. Und ich bekomme Tränen in den Augen, wenn ich mir vorstelle, wer von meinem Kolleg*innen aus dem Stadtteilzentrum Steglitz und anderen großartigen Organisationen mit dem Abtransport rechnen muss – weil Migrationshintergrund, die „falsche“Hautfarbe, einen „verdächtigen“ Nachnamen, die „falsche“ sexuelle Orientierung…… Unsere Kitas und Jugendeinrichtungen werden ziemlich leer werden. Nicht nur viele Kolleg*innen werden über Nacht „verschwinden“, auch viele der Menschen (Besucher*innen, Klient*innen), mit denen wir tagtäglich in unseren Einrichtungen arbeiten, werden „plötzlich“ nicht mehr da sein. Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, Menschen, die nebenan wohnen, Menschen, die wir lieben.
Werft mir jetzt bloß keine Panikmache vor. Denn wir hatten das alles schon mal. Es fing mit Juden und Jüdinnen an, dann holten sie nach und nach alle anderen, die ihnen „undeutsch“ erschienen oder gegen sie waren. Und auch wenn die AFD versucht, das alles nach aussen hin „geschmeidig“ klingen und aussehen zu lassen: sie haben einen „Masterplan“, der sich an dem Plan der NSDAP Anfang der 1930er Jahre orientiert. Sie framen den Begriff Deportation mit vermeintlich harmlosen Begriffen wie „Remigration“….. und sie denken, wir merken das nicht. (Und vielleicht merken auch viele das wirklich nicht.).
Liebe Leute. Wacht auf. Seht zu, dass Ihr Eure Hintern hochkriegt. Noch haben wir Zeit, unsere Demokratie, unsere Freiheit, unsere lebenswerte Zukunft zu retten. Wenn es schief geht, werden sie uns später fragen: Warum habt Ihr es nicht verhindert, als es noch ging?
Hier der Text von Sabine Asgodom:
„Wo wirst du sein, wenn sie sie holen?
Wirst du die Liste der Kinder in deiner Klasse schreiben, die abtransportiert werden sollen? Und beflissentlich die Namen abhaken, damit sie wirklich alle erwischen?
Oder wirst du selbst den Bus fahren, der sie wegbringt?
Wo wirst du sein, wenn sich deine Nachbarn still vergiften, weil eine Deportation mehr Angst macht als der Tod? Wirst du deine Freunde anrufen, dass eine schöne Wohnung freigeworden ist, voll möbliert?
Wo wirst du sein, wenn sie deine Patienten holen, die endlich die Betten auf deiner Station freimachen müssen? Und wenn die Pflegekräfte mit den fremden Namen gleich mitgehen? Wirst du die Maschinen ausstellen für solche, für die sich ein Transport gar nicht mehr lohnt?
Wo wirst du sein, wenn weinende Mütter und Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften getrieben werden? Wirst du heimlich das kleine Stoffkaninchen aufheben?
Wo wirst du sein, wenn deine Erntehelfer nicht kommen? Wer pflückt deine Gurken? Wirst du sie selbst unterpflügen?
Wo wirst du sein, wenn die dunkelhäutigen Kinder aus deiner Kita verschwunden sind? Wirst du ihre kleinen Hausschuhe in Mülltüten stecken, und die bunten Trinkflaschen und ihre Matschhosen? Und dann gründlich durchwischen?
Wo wirst du sein, wenn deine Kollegen mit Migrationshintergrund ihren Arbeitsplatz räumen müssen? Wirst du ihnen noch alles Gute wünschen? Und ihre Arbeit dann mitmachen? Oder die Sozialschmarotzer, die man dir zuweist, einarbeiten?
Wo wirst du sein, wenn alle Dönerbuden geschlossen sind, und alle Sushi-Roller deportiert? Freust du dich auf die deutschen Kneipen mit Bratwurst und Sauerkraut?
Wirst du nur die Schüsse hören, die den sich wehrenden jungen Männern aus den Containern gelten, oder wirst du sie selbst abgeben? Weil man sich ja den Anweisungen nicht widersetzen kann, weißt du, wir konnten als Einzelne ja nichts tun?
Wo wirst du sein, wenn dein Name auf einer Liste erscheint von Menschen, die diese Flüchtlinge einst auch noch unterstützt haben? Die sich in Migranten verliebt haben, ja, sie in ihre deutschen Familien aufgenommen haben? Wirst du deine nicht-arischen Enkelkinder mal in Nordafrika besuchen?
Was wird aus dir werden?
Keiner von uns wird ungeschoren davonkommen.“

Danke 👌 für deine Worte
Danke für deine Gedanken
Auch wenn ich den verlinkten Text noch nicht kenne. Ja es geht mir genauso und ich werde gerade aktiver. Weil ich die Demokratie beschützen will, sie ist nämlich das Beste was wir jemals hatten. Und alle waren und sind Nutznießer davon.
Es geht m.M. Jetzt darum die Menschen auch zu aktivieren (es gibt ja viele Formen / Möglichkeiten) welche noch sagen „Mir geht es und mich betrifft das nicht “ so was zu hören …lässt mich sprachlos schockier t zurück
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Ein aufrührender, beängstigender Text…
Und es sieht so aus, als wäre das Unheil nicht mehr aufzuhalten – selbst wenn man niemals die Blaunen wählen würde, selbst wenn man gegen Rechts immer wieder auf die Straßen geht, selbst wenn man dagegen anschreibt…
Manchmal denke ich mir, dass es für mich ein Glück ist, schon fast Siebzig zu sein. Vielleicht bekomme ich dann von dem Elend in ein paar Jahren nicht mehr viel mit. Aber all die anderen…
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Der Text löst bei mir tief sitzende Angst aus! Ich überlege schon eine Weile, wie öffentlich ich mich so wie früher gegen Recht positioniere, weil sich meine Lebensumstände geändert haben. Allein diese Überlegungen zu haben, ist schon ein Erfolg für all diejenigen, die unsere Demokratie zerstören wollen und unfassbare Pläne schmieden. Meine Überlegungen lösen bei mir Scham aus. Aber ich muss einen Weg finden etwas zu tun. Tiefbetrübte Grüße und danke für den Text, den ich mehrfach weitergegeben habe. Anna
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