Sozialbereich: Ein Segen für die Volkswirtschaft

In der rbb-Abenschau habe ich heute (Mittwoch) abend einen Beitrag gesehen, in der der volkswirtschaftlche Nutzen der Berliner Museen dargestellt wurde. Kurz zusammengefasst: jeder Euro, der als Subvention in Museen investiert wird, spült € 1,70 zurück in die Volkswirtschaft. Einbezogen wurden Effekte bei Dienstleistern, Mitarbeitenden (die konsumieren und in die sozialen Sicherungssysteme einzahlen usw.) und eigene Einnahmen durch Eintrittsgelder und Geschäftsbetrieb. Interessanter Ansatz, der auch für den Sozialbereich untersuchenswert wäre. Econ, das Consulting-Unternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beschreibt die Herausforderung:

„Eine statistische Erfassung der Sozialwirtschaft und ihrer gesamtwirtschaftlichen Wirkung würde erlauben, die Sozialwirtschaft nicht mehr nur über die Kosten zu bewerten, die sie dem öffentlichen Haushalt aufbürdet, sondern sie als einen Wirtschaftszweig zu betrachten, der Arbeitsplätze schafft und Nachfrageimpulse in die restliche Volkswirtschaft aussendet. Eine statistische Erfassung des Sektors kann auch Schlüsse auf die Kosteneffizienz im Sektor ermöglichen, etwa im Rahmen eines Vergleichs verschiedener Trägergruppen. Zudem ließe eine regelmäßige statistische Erfassung der Sozialwirtschaft und ihrer gesamtwirtschaftlichen Wirkung wichtige sektorale Trends erkennen und würde der Politik eine Möglichkeit bieten, rechtzeitig auf solche zu reagieren.“ (Quelle: https://diw-econ.de/wp-content/uploads/522_DIW-econ-Volkswirtschaftliche-Bedeutung-der-Sozialwirtschaft-v-5.0.pdf)

Wenn man bedenkt, dass in Deutschland rund 2,5 bis 3 Millionen Menschen (je nach dem, welche Bereiche man berücksichtigt) im sozialen Bereich arbeiten, wird schnell klar, über welche Größenordnung wir bei den volkswirtschaftlichen Effekten sprechen. Politik sollte das ernst nehmen.

Bei der Fachtagung „Stadtteilarbeit zwischen Kontinuität und Zukunft: verlässlich, wirksam, unverzichtbar!“ am letzten Mittwoch sprach eine Kollegin vom „Paritätischen“ darüber, wie wir in der Stadt mit den anstehenden dramatischen Kürzungen im Sozialbereich umgehen sollten. Knackig zusammengefasst: Wir sollten nicht wie das Kaninchen vor der Schlange warten, bis wir gefressen werden – sondern selbstbewusster und mutiger darstellen, was unser Bereich für diese Stadt, für dieses Land leistet und wie sich unsere Gesellschaft zum Nachteil entwickeln wird, wenn man dem „sozialen Rückgrat“ der Stadt, den Stecker zieht…….. Und da ist die volkswirtschaftliche Dimension noch gar nicht mitgedacht.

Im Stadtteilzentrum bereiten wir uns auf einen „heißen Herbst“ vor. An der einen oder anderen Stelle werden erste Zahlen und Tendenzen schon kolportiert – wir alle rechnen mit massiven Einschnitten, v.a. bei den sog. „freiwilligen Aufgaben“, die i.d.R. von Jahr zu Jahr neu beantragt werden müssen und die über Zuwendungen gefördert werden, einer Finanzierungsform, die mit vielen Restriktionen, Einsatz von Eigenmitteln und hohem administrativen Aufwand verbunden ist.

Ich fände es sehr hilfreich, wenn wir den o.g. volkswirtschaftlichen Nutzen beziffern und in die Diskussionen einbringen könnten. Vielleicht erkennen dann noch mehr Menschen, dass der Schaden, der durch Kürzungen und Sparpolitik angerichtet wird, weit über die sichtbaren Einschnitte bei den gemeinnützigen sozialen Organisationen hinaus geht. Wer die soziale Infrastruktur kaputt spart, schadet der gesamten Gesellschaft.

Habt Ihr noch weitere Tipps, Leseempfehlungen oder kennt Ihr Personen / Institutionen, die sich mit dem Thema „Social Return of Investment“ schon intensiver auseinandergesetzt haben? Bitte gern Hinweise in die Kommentare. Danke!

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