Lebst Du erfolgreich?

Das ist ja mal eine spannende Frage. Und ich stell sie mir immer öfter: woran erkenne ich, ob mein Leben, ob ein Leben gelungen ist. Gibt es Maßstäbe dafür? Gibt es Kriterien, anhand derer sich ablesen ließe, ob wir am Ende aller Tage „gut“ waren – oder eher nicht? Ich vermute, dass es hierzu sehr viele, sehr unterschiedliche, sehr individuelle Antworten gibt. Geben muss. Das ist gut. Hilft manchmal nicht weiter. Manchmal aber doch. Es hilft (vielleicht), seine eigenen Kriterien und seine eigenen Vorstellungen von Werten und Normen zu reflektieren und zu überprüfen. Das könnte möglicherweise hilfreich sein, wenn es darum geht, klarer zu sehen, klarer zu werden in einer Welt, die ganz offensichtlich immer unklarer und komplizierter wird und schwerer zu verstehen ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Mich interessieren Eure Ideen dazu. Was macht ein erfolgreiches, gelungenes Leben für Euch aus? Woran erkennt Ihr, ob ihr das Beste aus Euren Möglichkeiten gemacht habt? Wann seid, wann wäret Ihr mit Euch zufrieden? Und wenn ihr irgendwann in eurem Sterbebett liegt und Alles nochmal Revue passieren lasst…..was werdet Ihr als „Erfolg“ verbuchen?

Ich bin so gespannt…….!

Ohne Worte?

Heute war ich  bei einer Beerdigung. Eine Mitarbeiterin unseres Vereins hat ihren langen Kampf gegen den Krebs verloren. Sie starb im Alter von 40 Jahren. Zu früh. Viel zu früh. Rund 25 Menschen haben sich zu der Trauerfeier in Tempelhof zusammengefunden. Ihr Vater, ein zerbrochener, kranker Mann. Freunde. Wegbegleiter, ein paar ehemalige Kolleginnen aus dem Stadteilzentrum. Ein paar Kinder, die sie noch aus ihrer Tätigkeit als Horterzieherin kannten.

Die Trauerfeier beginnt pünktlich. Es werden ein paar CD´s angespielt. Melancholische Lieder. Traurige Lieder. Bei zwei Liedern streikt der  friedhofseigene tragbare Kompakt-CD-Player. Offensichtlich kann er die selbstgebrannten CD´s nicht lesen. Nach 15 Minuten ist alles vorbei. Die Trauergemeinde folgt der Urne. Dem Vater. Den nächsten Angehörigen. Die Urne verschwindet in einem kleinen Erdloch. Wir legen Blumen ab, werfen Sand auf die Urne. Nach noch einmal 15 Minuten sind alle fertig. Die Feier ist beendet. Alle gehen nach Hause. Zurück in ihr Leben. Und in der ganzen Zeit wurde kein einziges Wort gesprochen. Keine Trauerrede. Keine Ansprache. Keine wörtliche Anteilnahme. Ein Mensch geht. Ein junger Mensch hat Abschied genommen. Und niemand sagt etwas. Ich auch nicht. Aber mir gehen viele Gedanken durch den Kopf: Wer wird etwas sagen, wenn ich gehe? Was wird gesagt werden? Was soll über mich und mein Leben gesagt werden, wenn ich gehe? Und warum? Sehr schnell stellt sich mir die Frage nach dem Lebensziel. Nach meinem Lebensziel. Wofür lohnt es sich zu leben und zu kämpfen? Wofür brenne ich? Wofür möchte ich geschätzt und geliebt werden? Wofür schätze und liebe ich mich selbst? Und wofür nicht? Was habe ich gut  gemacht in diesem Leben? Was nicht? Was soll bleiben von mir in den Herzen der Menschen, die mich kannten……?  Was soll bei meiner Trauerfeier, bei meiner Beerdigung über mich gesagt werden? Ich spüre: Wenn ich auf diese Fragen meine Antworten gefunden habe, habe ich meinen Lebenssinn gefunden. Eine herausragende Herausforderung.

Mein Freund Andreas und ich gehen schweigend zum Auto. Wir versprechen uns gegenseitig, dass der, der länger bleiben darf, für den  anderen ein paar Wort spricht bei der letzten Zusammenkunft, beim letzten „Meeting“ mit Freunden, Kollegen und den Liebsten. Niemals soll ein Leben so ganz ohne Worte, so ganz sprachlos verabschiedet werden. Nie soll auf (m)einem  Grabstein stehen: „Ohne Worte“…………………………….

„Es ging nie um den Maserati“

Über die Treberhilfe und ihren Maserati fahrenden Geschäftsführer Harald Ehlert ist viel geschrieben worden. Eine erfrischend andere Sicht stellt Ed Koch am 11.9. in PaperPress zur Diskussion. Seine These „Es ging nie um den Maserati.“ Lest den ganzen Artikel auf PaperPress…...

 

Auf gute Nachbarschaft!

Nachbarschaftsvereine und Stadtteilzentren sind wichtige Anlaufstellen im Kiez.

Schon im Jahr 1944, ein Jahr vor Kriegsende, machten sich Vertreter der alliierten Siegermächte Gedanken darüber, wie man eine wohnortnahe Struktur der Versorgung der Bevölkerung verbinden kann mit Programmen zur demokratischen Umerziehung und kultureller Bildung der Menschen im kriegszerstörten Berlin. Heraus kam der „Alliierte Nachbarschaftsheimplan“. In der Tradition der englischen und amerikanischen Settlement-Bewegung „verordnete“ man den Berlinerinnen und Berlinern (im Westteil der Stadt) ein Konzept von Nachbarschaftsarbeit, das – vielfältig modernisiert und dem Wandel der Zeiten angepasst – im Kern noch heute funktioniert. Die Grundgedanken der Settlement – Bewegung spielten auch 1995 eine große Rolle, als der Nachbarschaftsverein Lankwitz e.V. (der heutige Verein Stadtteilzentrum Steglitz e.V. ) gegründet  wurde: Hilfe zur Selbsthilfe, Raum für Begegnung und Kommunikation im Kiez, professionelle Beratung in schwierigen Lebenssituation, konkrete Hilfen für Menschen in Not und das Angebot bedarfsgerechter sozialer Dienstleistungen und kultureller und politischer Bildungsarbeit. Ausgehend von einem kleinen Treffpunkt der Lankwitzer Wedellstraße entwickelte der  Verein seitdem vielfältige Aktivitäten in allen klassischen Arbeitsfeldern der Stadteil-, Nachbarschafts- und Gemeinwesenarbeit. Die Bilanz der letzten 16 Jahre kann sich wahrlich sehen lassen: Rund 100 Mitarbeitende in rund 20 Projekten des  Stadtteilzentrum Steglitz e.V.  betreuen Kinder in Kitas und Schulhorten, realisieren Angebote der offenen Jugendfreizeit- und –bildungsarbeit, kooperieren mit Schulen bei der Umsetzung schulbezogener Jugendhilfeangebote und bieten Raum und Möglichkeiten für Begegnung, bürgerschaftliches Engagement und nachbarschaftliches Miteinander in unseren Nachbarschaftshäusern. Wir engagieren uns in der Stadtteilkonferenz in Lankwitz-Ost ebenso wie beim Runden Tisch in Lichterfelde-Süd, wir mischen uns ein und stehen an der Seite derer, die Unterstützung, Hilfe und / oder Beistand brauchen. Wir tun dies, weil wir glauben, dass viele „kleine Leute“ die Welt verändern können, wenn Sie vor Ihrer Haustür – also  in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft – anfangen, die Dinge in die Hand zu nehmen und die Bedingungen im Kiez so (mit-) zu gestalten, wie sie sein sollen. Wir wollen einen  Kiez, eine Nachbarschaft, einen Stadtteil in dem alle Menschen friedlich miteinander leben können, in dem gegenseitiger Respekt und Wertschätzung für den und das Andere(n)  die Begegnung und die Kommunikation bestimmen und in dem niemand „draussen bleiben“ muss, weil er wegen seiner sozialen oder kulturellen Herkunft ausgegrenzt wird. „Steglitz –Zehlendorf  für Alle“. Ein dickes Brett, aber wir bohren weiter!  Machen Sie mit?

Mampel im „sozial-talk“

Im Video-Interview des Monats September  von www.sozialtalk.de befragt mich Herbert Scherer – ehem. Geschäftsführer des Verbandes für sozial-kulturelle Arbeit , aktuell u.a. tätig für die Paritätische Akademie –  über das Projekt .garage berlin. .garage ist ein Existenzgründungsprojekt, das seit mehr als fünf Jahren, Auswege aus der Arbeitslosigkeit aufzeigt, in dem es Menschen darin begleitet und unterstützt, Unternehmen zu gründen. Sozialarbeit im klassischen Sinne (auch wenn in der .garage nicht ein einziger Sozialarbeiter arbeitet): Hilfe zur Selbsthilfe – denn jeder Mensch hat das Recht und die Pflicht, das Beste aus seinem Leben zu machen!

Hiiiiilfe !!!!!!!??????!!!!!!

Sehr dramatisch kam sie daher. Die Überschrift über dem Aufmacher der neuen Samstags – Beilage des „Tagesspiegels“ am 20.08.! „Mehr Berlin“…… und dann das…..!  Eine Journalistin, die sich aus welchen Gründen auch immer zwischenzeitlich über ihre Erfahrungen als Sozialpädagogin auslassen darf , breitet auf zwei Zeitungsseiten ihre Wahrnehmungen, Meinungen und ihr Halbwissen über die Struktur der Hilfen zur Erziehung nach dem KJHG (Kinder- und Jugendhilfegesetz) aus. Oberflächlich. Weitergehend frei von Faktenwissen. Auf BILD-Zeitungsniveau. Den ganzen Artikel gibt’s hier zu lesen….. Ich habe überlegt, ob ich dazu was schreiben sollte. Denn das was da am Samstag und heute (am 23.08.2011) in der Zeitung geschrieben stand ist furchtbare und und unsachgemäße Stimmungsmache gegen freie Träger im Jugendhilfebereich. „Schwarze Schafe“, die es  überall gibt, müssen herhalten für eine pauschale Diskriminierung der wichtigen und schwierigen Arbeit der Träger der sozialen Arbeit.

Ich war sehr froh, dass es ich nichts schreiben muss. Denn diese Arbeit hat Oswald Menninger, der Geschäftsführer des Berliner DPW schon erledigt. Seinen offenen Brief an die Chefredakteure des Tagesspiegel möchte ich hier dokumentieren – und ich hoffe auf rege Diskussionen zu diesem Thema!

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Offener Brief an die Tagesspiegel-Redaktion 23. August 2011

„Sehr geehrter Herr Maroldt,  sehr geehrter Herr Cassdorf,

der journalistische Grundsatz, auch die andere Seite zu Wort kommen zu lassen ist, wie ihn der Tagesspiegel lange Zeit gepflegt hat, ist  im Artikel „Familien-HILFE! vom 20. August in Bezug auf die freien Träger leider nicht eingehalten worden.

Der PARITÄTISCHE Berlin setzt sich als Dachverband von circa 200 Jugendhilfeträgern seit mehr als sechs Jahren dafür ein, die fallbezogene Finanzierung von Erziehungshilfen in ein Sozialraumbudget für die Jugendhilfe einzubinden, um knappe Ressourcen fachlich noch effektiver einzusetzen und den ökonomischen Anreiz „mehr Fälle=mehr Geld“  aus dem Finanzierungssystem für Hilfen zur Erziehung herauszunehmen.

Nach vielen Gesprächen mit Senatsvertretern und Abgeordneten haben wir erreicht, dass unser Vorschlag, eine Budgetsteuerung der Jugendhilfe in zwei Bezirken zu testen, im Abgeordnetenhaus im Jahr 2008 beschlossen worden ist. Leider hat das Land Berlin bis heute nichts dazu getan, diesen Beschluss umzusetzen. Darüber findet sich in dem Artikel nichts.

Der Verband ist weiter an dem Thema dran: Beispielsweise sind der Jugendhilfereferent und zwei Trägervertreter im österreichischen Graz gewesen, um den dort praktizierten Ansatz eines Jugendhilfebudgets zu begutachten und in Bezug auf die Übertragbarkeit auf die Berliner Situation zu überprüfen.

Ferner ist es uns gänzlich unverständlich, wie es eine seriöse Tageszeitung zulassen kann, dass eine Redakteurin anhand eines Falles einen ganzen Berufsstand verunglimpft! Die Fachkräfte der freien Wohlfahrtspflege leisten mit ihrer Arbeit jeden Tag einen unverzichtbaren Anteil zum sozialen Zusammenhalt in dieser Stadt. Hierfür verdienen sie unseren Respekt!

Beide  Artikel zu HZE vom 20. und 23. August strotzen vor inhaltlichen Fehlern und lassen die journalistische Sorgfalt vermissen, wie sie vom Tagesspiegel zu erwarten ist.

Der Artikel vom 20. August stützt sich auf Sachverhalte bei einem  anonymen Träger, von dem aus Pauschalaussagen abgeleitet werden, die  für alle Träger in Berlin und der Bundesrepublik Gültigkeit haben  sollen. Dies ist methodisch mehr als fragwürdig.

Ein grober handwerklicher Fehler ist unterlaufen, wo Statistik die Aussagen untermauern soll: Die abgedruckte Jugendhilfe- Statistik legt nahe, dass die Kosten für Hilfen zur Erziehung enorm gestiegen  seien. Die Steigerungen sind aber vor allem durch die Kita-Kosten  verursacht und nicht durch die Hilfen zur Erziehung. Die Kosten für  die Hilfen zur Erziehung sind keineswegs in den letzten Jahren explodiert – weder bundesweit noch in Berlin.

Richtig ist, dass nahezu alle Berliner Bezirke die Haushaltsansätze für HzE überziehen – weil die Ansätze nicht den realen Erfordernissen  sondern haushalterischem Wunschdenken entspringen. Der große Cut beim  Berliner Jugendhilfebudget in den Jahren 2003 und folgende hat zu  einer Minderung der Fallzahlen bei Hilfen zur Erziehung geführt, die   fachlich nicht zu begründen ist. Seit 2005 steigen die Fallzahlen  wieder an und haben jetzt den Level von 2002 überschritten. Kein Wunder – die soziale Lage von Kindern, Jugendlichen und Familien hat  sich in den letzten 10 Jahren nicht verbessert. Im Gegenteil. Die  Anzahl der Familien mit gehäuften Risikolagen nimmt zu.

Bereits der Stadtstaatenvergleich von 2007 hat gezeigt, dass Berlins HZE-Ausgaben pro Fall erheblich niedriger liegen als in Hamburg oder  Bremen – obwohl die sozialen Belastungen der Familien nirgendwo so  umfassend sind wie in Berlin.
Der Spardruck auf die Jugendhilfeträger ist enorm: Heute haben wir mehr  HZE-Fälle als im Jahr 2002 – aber den freien Trägern stehen über 40   Millionen weniger als 2002 zur Verfügung (450 zu 408)! Trotz  Kostensteigerungen in allen Ausgabenbereichen.

In ihren Artikeln finden sich viele Argumente, die staatlichen Aufgaben  und Verantwortlichkeiten auszuweiten. Die unkritische etatistische  Sicht ist eine Berliner Besonderheit, die im überdimensionierten  öffentlichen Dienst in Berlin ihre Basis hat. Wenn die freien Träger  sich angeblich das Geld selbst bewilligen, wie Bürgermeister  Buschkowski  nahelegt, darf die Frage erlaubt sein, wofür das Bezirksamt eigentlich bezahlt wird.

Das sind Fakten, die in den Artikeln nicht genannt werden!

Auch der Artikel vom 23. August enthält grobe inhaltliche Fehler. Ein Beispiel: „Die Kosten für die Heimerziehung sind dabei nicht das Problem.
Dafür müssen die zwölf Bezirke weniger zahlen als gedacht. Es sind die stationären Hilfen, die das Budget der Jugendämter strapazieren.“ Es ist aber so, dass Heimerziehung und betreutes Wohnen  stationäre Hilfen sind. Was also wollen die Verfasser sagen?

Sehr geehrter Herr Maroldt, sehr geehrter Herr Casdorff, es wäre der Sache und dem journalistischen Anspruch des Tagesspiegel angemessen, den PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Berlin, unter dessen Dach fast 50.000 Fachkräfte und zehntausende Ehrenamtliche wirken, zu diesem wichtigen Thema anzuhören und den benannten kritischen Punkten eine Stimme zu geben.

Mit freundlichem Gruß
Oswald Menninger, Geschäftsführer“

Internet-Networking in der personellen Arbeit

Workshop des Paritätischen Personalforums zum Thema Netzwerken im Web 2.0-Zeitalter am 8.9.11 von 15.00 bis 19.00 Uhr in Berlin.

Anhand der Plattform http://www.socialNC.de werden Möglichkeiten sozialer Netzwerke vorgestellt.
Referenten: Thomas Mampel und Andreas Oesinghaus (Stadtteilzentrum Steglitz e.V.)
Alle Informationen über Inhalt, Anmeldung & Co. erhalten Sie unter http://www.paritaetisches-personalforum.de

generationsübergreifendes Verständnis

Gestern bei Hugendubel in der Steglitzer Schloßstraße: Eine sichtlich genervte Mutter erklärt Ihrem fast erwachsenen Sohn, dass der ganze „Internetscheiss“, diese vielen E-Mails und Facebook, XING und so ….sie ganz fertig machen. Sie kommt nicht mehr hinterher. Warum denn ihr Sohn damit so entspannt umgehen könne? Der Sohn, ein attraktiver, gut aussehender Jung-Mann, bleibt stehen, guckt sie liebevoll an, und sagt: „Ich bin halt eine andere Generation.“ Und nach kurzer Pause fügt er hinzu: „Aber wenn ich selbst mal Kinder habe, dann wird es mir genau so gehen, wie Dir jetzt.“ Beide umarmen und sich und gehen weiter. In die Computerbuchabteilung von Hugendubel……

Kinderarmut inakzeptabel – auch in Steglitz-Zehlendorf!

Kinderarmut ist von übel. Es ist hierbei vollkommen egal, wie gut es der Bevölkerung im Durchschnitt geht. Es ist egal, ob diese Kinder in armen oder reichen Bezirken leben. Wichtig ist: jedes Kind, das in Armut lebt ist eins zuviel. Denn diese Kinder  sind von vielen gesellschaftlichen Aktivitäten und Angeboten ausgeschlossen. Häufig  fallen sie  auf – durch ihre Kleidung,durch mangelnde oder falsche Ernährung, oft durch ihr Verhalten. Sie leben mitten unter uns, auch in Steglitz-Zehlendorf.In unserem Bezirk – der zu den reichsten der Stadt gehört – gibt es Kieze, in denen die Kinderarmut bei rund 40% liegt. Gezählt werden hier die Kinder, die in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften leben. Um diese Kinder müssen wir uns vorrangig kümmern, weil sich zu wenige um sie kümmern. Eltern sind häufig nicht in der Lage oder nehmen ihre Erziehungsverantwortung – aus welchen Gründen auch immer – nicht wahr.  Schulen, Vereine und soziale Einrichtungen sind gefragt, mit entsprechenden Bildungs- und kostenlosen bzw. kostengünstigen Freizeitangeboten entgegenzuwirken. Das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung ist ein notwendiger Schritt in die richtige Richtung, denn es kann dazu beitragen, dass materieller Mangel kompensiert wird und arme Kinder  am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Allerdings müssen hier von den Betroffenen zahlreiche bürokratische Hürden überwunden werden. In den Einrichtungen des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. erhalten Familien hierbei praktische Unterstützung. Wir informieren in unseren Einrichtungen über die neuen Bestimmungen und beraten und helfen bei der Antragstellung. Dies tun wir in der Hoffnung, dass wir hierdurch einen kleinen Beitrag leisten, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen. Denn wir wissen: Kinder armer Eltern, werden Eltern armer Kinder. Die Kinderarmut von heute zu bekämpfen ist das beste Rezept, die Kinderarmut von  morgen zu vermeiden.

Vielfältig statt einfältig – Bunt statt Braun!

Im Stadtteilzentrum Steglitz e.V. arbeiten Menschen aus „aller Herren Länder“: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Vereins  kommen aus Polen, aus der Türkei, aus dem Libanon, aus Frankreich, aus Russland und und und…… Diese Vielfalt bereichert die Arbeit unseres Vereins! Unsere „typisch deutschen“ Sichtweisen werden ergänzt, korrigiert und beeinflusst von Menschen, die kulturell und historisch anderes Erfahrungswissen und andere (für uns neue) kulturell bedingte  Sichtweisen einbringen. Es gibt keinerlei Konflikte, die auf die unterschiedliche Herkunft von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. zurückzuführen wären. Im Gegenteil: Unsere Vielfalt wird in den Projekten und Einrichtungen als wichtige Ressource und großer Gewinn wahrgenommen. Die interkulturelle Kompetenz des gesamten Teams steigt exorbitant, wenn Kolleginnen und Kollegen „mit Migrationshintergrund“ dazustoßen. Wir spüren das in allen Bereichen: In der Arbeit mit Kindern, mit Jugendlichen, mit Familien. Vielfalt ist immer bereichernd! Aus diesem Grund lehnen wir auch alle „ausländerfeindlichen“ Bestrebungen in unserer Gesellschaft entschieden ab. Auch die neuerdings unter dem Deckmantel der „Islamkritik“ heranschleichende Ausländerfeindlichkeit , die sich u.a. leider auch in Steglitz-Zehlendorf breit macht, ist entschieden abzulehnen. Das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. hat deswegen auch den Protest der Bezirksverordnetenversammlung unseres Bezirks  und der demokratischen Parteien gegen die Gründung eines Steglitz-Zehlendorfer Kreisverbandes von „Pro Deutschland“ im März diesen Jahres unterstützt. Barbara John, ehemalige Ausländerbeauftragte der Berliner Senats und jetzt engagiert als Vorsitzende des Berliner Landesverbandes des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes kritisiert den Umgang mit Zuwanderern im „Tagesspiegel“ vom 17. April: Wir behandeln diese Menschen ausländerrechtlich wie „Leibeigene“ und gesellschaftlich wie „Eindringlinge“.  Damit muss Schluss sein. Im „Kleinen“ wie im „Großen“. Wir wollen eine Gesellschaft, die offen und „bunt“ ist und die Einwanderung als Gewinn und nicht als Bedrohung empfindet. Wir alle können sofort anfangen, eine solche Kehrtwende einzuleiten. In den Schulen, in den Betrieben, in den Vereinen und Institutionen: Deutschland ist und bleibt bunt und vielfältig – statt braun und einfältig!