Johari, Augenhöhe und die Sache mit der Leine…..

GF-Tagebuch #29

Das war eine  merkwürdige Woche…. am Montag nach dem Titelgewinn war ich kaum zu gebrauchen. Nach einer langen Nacht auf dem Kudamm hatte ich gleich um 9.00 Uhr und um 11.oo Uhr wichtige Termine, die ich müde, aber als frischgebackener „Weltmeister“ ganz pflichtbewusst wahrgenommen habe… ;-). Diese Termine passten (ohne dass es geplant war ganz gut zu meinem Tagebuch-Eintrag der letzten Woche. Es ging  um Fragen der Mitarbeiterführung, um Augenhöhe und „lange“ oder „kurze Leinen“….. )

© Rafal Olechowski - Fotolia.com

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Wichtig waren diese Termine im Sinne von „Standortbestimmung“. Thema beider Termine war in gewisser Weise der Abgleich zwischen Innen- und Aussenwahrnehmung des Unternehmens, Selbst – und Fremdwahrnehmung der beteiligten Personen. (siehe hierzu auch: das Johari-Fesnster) Und wieder einmal habe ich – zumindest beim ersten Termin des Tages – festgestellt, dass ein kritisches, ehrliches, konstruktives und solidarisches Feedback unglaublich wertvoll und hilfreich ist. Im konkreten Fall hat mir dieses Feedback geholfen, die Dinge klarer zu sehen und Ideen für notwendige Veränderungen in der Organisation und der Struktur des besagten Unternehmens zu entwickeln. (Ich verzichte hier auf die Konkretisierung und weitere Einzelheiten, weil ich nicht möchte, dass sich irgendein Kollege / Mitarbeiter öffentlich angegangen  bzw. kompromittiert fühlt….).  Die anstehenden Veränderungen und Anpassungen im Team zu besprechen und umzusetzen wird nicht leicht. Denn wir sind da wieder beim Thema „Selbst- und Fremdwahrnehmung“: Was für den einen eine eklatante Schlechtleistung bzw. ein schlechtes Arbeitsergebnis ist, sieht der andere als „Erfolg“, als gutes Ergebnis in akzeptabler Qualität.

Es fehlt hier offenbar an klar formulierten Standards und klaren Kriterien anhand derer man „objektiv“ ablesen kann, ob ein Ergebnis „gut“ oder „schlecht“ ist. Aber geht das überhaupt durchgängig? In der industriellen Produktion bzw. in Bereichen, in denen alle Abläufe hoch standardisiert sind, mag da so sein. Aber wie ist das in Bereichen, die stark von der Qualität der Kommunikation, der Beziehungen, der zwischenmenschlichen Prozesse abhängig sind? Und was tun wir (was muss ich tun), wenn es keine gemeinsame Vorstellung und keine gemeinsamen Kriterien für „gute Qualität“ gibt und sich  diese auch nicht herstellen lässt? Was sind die Konsequenzen für das Team, für die Struktur, für Einzelne?

Und ganz zentral: Wie leben wir „Augenhöhe„, wenn die Vorstellungen  der Beteiligten zu  Arbeitsweise und Arbeitsergebnissen zu weit auseinander driften?

In diesem Sommer  werden wir uns mit diesen Fragen ausführlich beschäftigen. Ich würde mich über Kommentare,  Leseempfehlungen und Links zum Thema sehr freuen. Dafür schon mal vielen Dank!

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Seit November 2013 schreibe ich wöchentlich an meinem “Geschäftsführer-Tagebuch”. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter  und Co.) teilt und verbreitet!

 

 

 

 

„Lange Leine“ vs. „Augenhöhe“

GF-Tagebuch #28

Mitarbeiterführung ist ein ganz zentrales Thema meines Arbeitsalltages. Als Geschäftsführer des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. und der .garage berlin GmbH bin ich auf vielfältige Weise gefragt, wenn es darum geht, gemeinsam mit den  Mitarbeiterinnen die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen und die Organisation „nach vorn“ zu bringen bzw. auf Kurs zu halten.

Zum einen habe ich es mit den Kolleginnen und Kollegen zu tun, mit denen ich direkt zusammenarbeite (BereichsleiterInnen, ProjektleiterInnen), zum anderen berate und „coache“ ich eben diese Kolleginnen und Kollegen auch, wenn es darum geht wie sie ihre eigene Führungsverantwortung gegenüber den ihnen zugeordneten MitarbeiterInnen ausgestalten.

von Hunden und Mitarbeitern.....

von Hunden und Mitarbeitern…..

Beide Teile der Aufgabe sind spannend, unterscheiden sich aber extrem voneinander. In dem einen Fall bin ich direkt in der Kommunikation und direkt „Teil des Geschehens“ im anderen Fall bin ich eher Beobachter, Ratgeber, versuche zu lenken und zu steuern, zu begleiten.  Das klappt alles mal besser, mal schlechter. Und manchmal ist man (bin ich) auch ratlos. Du denkst, Du hast mit allen Beteiligten das Richtige besprochen, alle Beteiligten erwecken den Eindruck, dass sie verstanden haben, worum es geht und wie es gemacht wird – aber das Arbeitsergebnis ist eine Katastrophe. Das scheint (zum Glück) nicht nur bei uns bzw. bei mir so zu sein. Und deshalb gibt es ja auch diese vielen unterschiedlichen Ratgeber und Beiträge rund um das Thema (Mitarbeiter-) Führung. Grundsätzlich interessieren mich solche Beiträge. Ich möchte (und muss) in dem Bereich immer besser werden. Dabei bin ich mir durchaus der Tatsache bewusst, dass Mitarbeiterführung auch immer einen Anteil hat, der – wenn man es sehr spitz formulieren will – etwas manipulatives hat. Ich will schliesslich, dass der Kollege, die Dinge so macht (und idealerweise auch so sieht) wie ich das als Führungskraft vorgebe oder aus Unternehmenssicht als „Marschroute“ definiere.

Mir gefallen Modelle gut, die den Aspekt der „Kommunikation auf Augenhöhe“ und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit bei der Umsetzung gemeinsam vereinbarter  Ziele in den Vordergrund rücken. (HI E R und H I E R  habe ich in dieser Woche in meinem  Blog   auf entsprechende Beiträge hingewiesen)

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volles Wochenende = tolles Wochenende

GF-Tagebuch #27

Heute und morgen wieder volles Programm in Steglitz –  ich kann Euch einen Abstecher in den schönsten Bezirk Berlins nur wärmstens empfehlen….

10530845_10152297484533871_3335654746854843726_nAm Samstag nachmittag in der Bechstein-GS großes Kiezfest mit viel Open-Air-Musik… Schülerbands von der Grundschule bis zur Oberstufe…. einige davon kenne ich – absolut sehens- und hörenswert! Maßgeblich organisiert von den Kollegen des Stadtteilzentrums….. !

Heute und morgen findet dann auch noch das große Fest „100-Jahre-Stadtpark Steglitz e.V.“ statt. Auch hier gibts (musikalisch) einiges auf die Ohren und zahlreiche Steglitzer Projekte präsentieren an Infoständen und mit verschiedenen Aktionen  sich und ihre Arbeit. Mit dabei natürlich auch Kolleginnen und Kollegen vom Stadtteilzentrum Steglitz und von jungundjetzt e.V.(….und „Sohnemann“ und sein Team machen  an diesem Wochenende das komplette Catering (Essen- und Getränke) für die zweitägige Veranstaltung – und ist gespannt auf diese neue Erfahrung der Massenversorgung bei einem Fest 😉 )

Allen, die heute und morgen so engagiert ackern ein ganz dicken Dank – und ich drück die Daumen, dass das Wetter hält und die Besuchermassen strömen……. Ihr habts verdient, nach einer intensiven Phase der Vorbereitung und Organisation.

 

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Die Macht der Worte… oder: der kleine, aber feine Unterschied zwischen „frei“ und „öffentlich finanziert“

GF-Tagebuch #26

In der letzten Woche bin ich auf einer Veranstaltung des Jugendamtes über ein neues „wording“ gestolpert: man sprach dort stets von „öffentlicher“ und „öffentlich finanzierter“ Jugendhilfe. Mit dieser Wortwahl sollte wohl die übliche Begrifflichkeit „öffentliche Jugendhilfe“ und „Jugendhilfe in freier Trägerschaft“ ersetzt oder umgangen werden. Diese Begriffswahl hat mich irritiert – und ein bisschen an alte Diskussionen in den 1990er-Jahren erinnert.

© fotomek - Fotolia.com

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Damals war (zumindest in unserem Bezirk) die Rolle der frei-gemeinnützigen Träger noch ziemlich unklar, ihr Stellenwert umstritten. Sehr stark lag der Fokus auf staatlichen Angeboten – freie Träger hatten bestenfalls die Funktion ergänzende Angebote – meist vollkommen unzulänglich finanziert – zu übernehmen. Dies hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten positiv verändert. Freie Träger – nicht nur – der Jugendhilfe sind wichtige Akutere geworden. Wir sprechen von „Kooperation auf Augenhöhe“ und verteilen die Aufgaben der öffentlichen und freien Anbieter nach fachlichen Gesichtspunkten.

Die Formulierung „öffentlich“ und „öffentlich finanziert“ stösst mir unangenehm auf. Ich finde, dass diese Unterscheidung nicht hilfreich ist – sie ist nicht mal eine richtige Unterscheidung. („öffentlich finanziert“ sind auch die im öffentlichen Dienst beschäftigten MitarbeiterInnen …). Sie steht für eine Haltung, die den Wert und die Bedeutung freier Jugendhilfe und einer in frei-gemeinütziger Trägerschaft organisierten Sozialarbeit nicht würdigt.

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Froh dabei zu sein…..

GF-Tagebuch #25

Manchmal sind die Dinge schwierig. Zäh. Anstrengend. Manchmal hat wohl jeder das Gefühl, dass sich die Dinge nicht in die richtige Richtung entwickeln. Dass man kämpfen muss, dass man viel Kraft aufbringen muss. Manchmal muss man viel Aufwand betreiben, damit die Dinge laufen. Manche Arbeitswoche (selbst im Stadtteilzentrum 😉 ) ist  nicht wirklich vergnügungssteuerpflichtig….. Das ist, wie es ist. Und nicht schlimm. Denn: Alles, was wir tun,  ist selbst gewählt. Eine Entscheidung, die jede/r in voller Verantwortung für sich selbst trifft.

Gestern im Auto habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie ich dieses „Spannungsverhältnis“ als Thema in diesem Blog verwurschteln kann Und dann lief im Radio ein Lied von Philipp Poisel. Diese Lied hat meine Gedanken zu diesem Thema perfekt auf den Punkt gebracht. Und deshalb heute ein Lied, statt eines Textes……:  Froh dabei zu sein!

 

 

 

 

Besuch aus Graz

GF-Tagebuch #23

Anlässlich des Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages (DJHT), der vom 3.-5. Juni 2014 auf dem Berliner Messegelände stattfand, war eine kleine Delegation aus  Graz zu Besuch in Steglitz-Zehlendorf. Ein Gegenbesuch, nach dem im Oktober 2012 und im Februar 2014 Kolleginnen und Kollegen aus unserem Bezirk die zweitgrößte Stadt Österreichs besucht haben. (H I E R  ein Link zum damaligen Bericht…)

KollegInnen aus Graz im KiJuNa

KollegInnen aus Graz im KiJuNa

Graz ist für uns besonders (aber nicht nur) aus einem Grund interessant: Graz hat sich als erste Stadt in Österreich dazu entschlossen, das Fachkonzept der Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe umzusetzen und geht damit einen neuen Weg in der sozialen Arbeit. Seit dem Jahr 2010 gibt es die Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe als Pilotprojekt in Graz. Verbunden wurde die Einführung der Sozialraumorientierung in Graz mit der Einführung eines sog. Sozialraumbudgets: Der Fokus der Finanzierung liegt nun auf Zielerreichung bzw. Fallbeendigung und nicht mehr auf Länge und Anzahl der erbrachten Hilfen. Die Erfolge sind vorzeigbar – die Kosten für sog. „Hilfen zur Erziehung“ konnten deutlich reduziert werden – und das bei i.d.R.  besseren, weil passgenaueren Leistungen für die Betroffenen.

Wenngleich die Einführung eines klassischen Sozialraumbudgets in Berlin aus verschiedenen – insbesondere rechtlichen – Gründen noch „Zukunftsmusik“ ist, wird doch in verschiedenen Bezirken und auch auf Landesebene geschaut, wie man durch Umsteuerung und eine sozialräumliche Ausrichtung der Finanzierung der Jugendhilfe zu besseren UND weniger kostenintensiven  Angeboten kommen kann. Die Region B des Bezirks Steglitz-Zehlendorf startet am 1.7.2014 mit den ersten Angeboten und Aktivitäten im Rahmen eines Modellprojekts „Sozialräumliche Leistungen (SRL)“.

Das gegenseitige Interesse zwischen uns und den BesucherInnen aus Graz war vor diesem Hintergrund natürlich groß. Das Besuchsprogramm spiegelt das wieder: Besuch in der „Villa Folke Bernadotte“ und dem „Nachbarschaftshaus Lilienthal“ der KollegInnen des Mittelhof e.V., Besuch des RSD der Region und fachlicher Austausch mit dem Regionalleiter  in der Beethovenstraße, Besuch im „KiJuNa“ des Stadtteilzentrum Steglitz und im „kieztreff“ – einem Familien- und Nachbarschaftszentrum, das seit 10 Jahren von Stadteilzentrum Steglitz und FAMOS e.V. Berlin gemeinsam betrieben wird.

Der Austausch war hochgradig interessant. Erfahrungen in der sozialräumlichen Arbeit wurden ausgetauscht, Besonderheiten aus den jeweiligen Städten bwz. Regionen hervorgehoben und Ideen transferiert. Die KollegInnen, die alle für den Träger a:pfl (alternative: pflegefamilie GmbH) tätig sind , bedankten sich für die Gastfreundschaft und stellten abschließend fest: „Wir werden den Kontakt weiter ausbauen und den Internationalen Fachaustausch Österreich-Deutschland pflegen.“

Weitere Informationen zum Thema Sozialraumorientierung in Graz findet Ihr hier:

www.graz.at/cms/ziel/4194118/DE/

Informationen und einen   Link zum Modellprojekt Steglitz-Zehlendotf findet Ihr hier:

 www.srl-projekt.de

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Jeder ist ein Künstler

GF-Tagebuch #21

„Kunst kommt von können“…. sagt der Volksmund. Ich glaube, da ist was dran. Oft stehe ich staunend vor irgendwelchen Werken – egal ob Gemälde, Fotografien oder Plastiken – und staune, was Menschen erschaffen und ausdrücken können. Bei Musik, Theaterstücken und bei vielen Büchern geht es mir genau so. Dabei ist es (mir zumindest)  vollkommen egal, ob die Werke von berühmten „Stars“ der Kunstszene  oder von unbekannten Künstlern und Kreativen geschaffen wurden. Was mich anspricht ist Authentizität und Gefühl. Das Kunst-Werk bringt etwas in mir zum klingen, stösst auf Resonanz, macht das Gefühl des Künstlers greifbar. Ich darf an der Welt des anderen teilhaben. Diese Einladung, die Welt durch die Augen eines anderen Menschen sehen zu dürfen ist ein wunderbares Geschenk.

Einladung_KMdG_14-Juni-2014_web-212x300Und: Jeder Mensch kann etwas – und deshalb kann auch jeder Mensch ein Künstler sein. Ich bewundere Kinder, die manchmal mit entwaffnender Klarheit malen und be – zeichnen können, was in ihrer Welt gerade wichtig ist. Ich lese gerne Blogs von Menschen, die was zu sagen haben – und die es schaffen, mit wunderbaren Worten die Geschichte(n) des Lebens für alle Zeit festzuhalten. Ich höre gern zu, wenn Menschen zusammen kommen und Musik machen, singen und das Leben feiern.

Jeder Mensch – egal wie alt und was er noch sonst so treibt – hat das Zeug zum Künstler.
In der nächsten  Ausgabe der StadtteilZeitung des Stadtteilzentrum Steglitz  lest Ihr  über verschiedene Aspekte dieses Themas – und Ihr  lernt  sehr verschiedene Menschen kennen, die sich in und mit ihrer Kunst ausdrücken. Einige von ihnen könnt  Ihr  in den Einrichtungen unseres Vereins treffen – in Mal- und Kreativgruppen oder im „Bandraum“ bei der Probe oder auf der Probebühne unserer Musicalgruppe in der Jugendeinrichtung – andere wirken „nur“ im privaten Rahmen und werden selten sichtbar.

All diesen Menschen wollen wir beim „Kunstmarkt der Generationen“ am 14. Juni im Park hinter dem Gutshaus Lichterfelde einen Rahmen und eine Plattform geben. An über 80 Ständen werdet Ihr  Kunst geniessen und begreifen können. Die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit der teilnehmenden Künstler ist ein Garant dafür, dass für jede/n etwas dabei ist.

Ich würde mich freuen, den einen oder die andere am 14.6. dort zu treffen – ganz sicher auch ein sehr attraktives Ziel für Berlinbesucher, die an diesem Wochenende mal einen andere Seite der Hauptstadt entdecken wollen… . Weitere Infos gibt es H I E R …. (bitte klicken!)

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Mach Dein eigenes Ding….

GF-Tagebuch #20

Ich habe neulich einen sehr schönen Spruch gelesen: „Man schafft niemals Veränderung, indem man das Bestehende bekämpft. Um etwas zu verändern, baut man neue Modelle, die das Alte überflüssig machen.“  Dieser Satz leuchtete mir sofort ein. Viele Veränderungen in unserer Welt – von „kleinen Dingen“  in unserem Alltag bis hin zu großen politischen Konzepten  – sind nicht durch revolutionäre Veränderung, durch Kampf oder durch Konfrontation bewirkt worden, sondern dadurch, dass Menschen dem Schlechtem etwas Besseres entgegengesetzt haben.

Im Firmenleitbild von Hewlett Packard heisst es: „Radikal neue Ideen, sind meist gute Ideen.“ Und ein anderer schöner und richtiger Spruch: Im Nachhinein erscheint  jede neue und  geniale Idee logisch.

© Trueffelpix - Fotolia.com

© Trueffelpix – Fotolia.com

Wir  ermutigen  Menschen in unserem Umfeld immer wieder dazu, sich an neue Ideen zu wagen, alles Bestehende in Frage zu stellen und offensiv  „um die Ecke zu denken“…. Und manchmal ist es schlauer, sich „sein eigenes Modell“ zu bauen, als sich an bestehenden Strukturen und  Modellen abzuarbeiten. Die Existenzgründerinnen und -gründer aus der .garage berlin wissen das: Wer keine Arbeit hat, macht sich welche!  Wir könnten auch sagen: Wer seine Begabungen, Stärken und Ideen in die  bestehenden Unternehmen nicht mehr zum Einsatz bringen kann – der kann auch sein eigenes Unternehmen gründen und sich mit seiner Idee, mit seinem Potenzial selbständig machen.

Viele erfolgreiche Unternehmen sind so entstanden: Kleine flexible und schnelle Projekte machen den großen, schwerfälligen Tankern das Leben schwer. Und dies gilt natürlich – vielleicht sogar in besonderem Maße – auch für den Sozialbereich: überall gründen sich neue soziale Projekte, Sozialunternehmen und gesellschaftliche Initiativen. Hoch qualifizierte Leute zum Teil, die es mit zeitgemäßen Ideen, Arbeitsweisen und -tools schaffen, die großen unflexiblen Wohlfahrtsverbände herauszufordern und ihnen in bestimmten „Nischen“ zunehmend das Leben schwer zu machen. Wir nennen dieses neue Modell „Social Entrepreneurship“ – und es ist damit zu rechnen, dass soziale Innovation in Zukunft eher  aus diesem Bereich als aus dem alten und tradierten Verbandswesen initiiert und angestossen wird.

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„Narzisstische Show eines Social Entrepreneurs“

GF-Tagebuch #19

Ich bin ein sehr Internet-affiner Mensch. Ich bin unterwegs bei Facebook, google+, Twitter, Instagramm, XING, socialNC und ich habe sogar einen Tumblr – Account – und ich blogge fleissig. Aber das wisst Ihr ja. Facebook ist, was soziale Netzwerke angeht, noch immer meine Homebase. Es ist einfach ein unschlagbares Argument und ein wertvoller USP, dass Facebook so einen enorm hohen Verbreitungsgrad hat. Man findet (fast) jeden und man findet zu fast jedem Thema eine Gruppe oder eine Seite. Das ist für Vernetzung und Austausch und für die Suche nach potenziellen Gessprächs- und Kooperationspartnern eine tolle Sache – ein Riesenpotenzial. Eigentlich.

© frogarts - Fotolia.com

© frogarts – Fotolia.com

Ich hatte jetzt – wisst Ihr auch – ein bisschen Urlaub. Ich hatte ein bisschen Zeit bei Facebook zu stöbern und ich habe eine ziemlich gute Gruppe gefunden, die mich sofort interessierte: „Netzwerk Sozialarbeit / Sozialpädagogik“. Mit fast 10.000 Mitgliedern eine sehr lebendige und interessante Gruppe. Und wie schon der Name der Gruppe vermuten lässt, dient diese Gruppe dem Austausch zwischen Sozialarbeitern und Sozialpädagogen aus ganz Deutschland. Literaturempfehlungen, fachliche Fragen, Fragen zu Beschäftigungs- und Vergütungsangelegenheiten …. für fast alle Fragen ist Raum. Ich hielt und halte  es für eine gute Idee, in dieser Gruppe ab und an auf interessante Artikel in meinem Blog aufmerksam zu machen und neue Leserinnen und Leser für meine Seite zu interessieren – geht es bei mir doch auch um die Themen Sozialarbeit und  Sozialwirtschaft. Reaktionen auf einen Link zu meinem Blog haben mich jedoch sehr irritiert und nachdenklich gestimmt – werfen sie doch ein beklemmendes Licht auf unsere Zunft, die sich über weite Strecken immer noch davor scheut wichtige fachliche und gesellschaftliche Fragen ohne ideologische Scheuklappen zu diskutieren.

Ich möchte Euch ein paar Zitate  und Einschätzungen verschiedener Gruppenmitglieder (Sozialarbeiter / Sozialpädagogen) zu mir und meinem Blog  vorstellen:

Frank L.: „Ich bin erschrocken darüber, wie wenig doch das Bewußtsein darüber vorhanden ist, in welchem Widerspruch Soziale Arbeit und neoliberale Politik doch stehen. Wenn uns die Damen und Herren in weißen Hemden lächelnd von ihren Bewerbungsfotos angrinsen, dann grinsen dahinter Lobbyisten und die Fraktion der Sozialabbauparteien. Erkennt ihr nicht die Uniform? Erkennt keiner die narzisstische Egoshow der „Social Entrepeneurs“? Das sind alles nur weitere Versuche Soziale Arbeit ins Prekariat zu drängen und Kritik zu verhindern.“

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Mach mal Chef…. oder: Wie verändert uns unser Job?

#GF-Tagebuch 17

Gestern saß ich mit Jeannette Hagen zusammen um die Beiträge für das neue .garage Buch („Das 1. Jahr“) zu besprechen. Wir kamen darauf zu sprechen, welche Rollendefinitionen, Rollenklärungen und Rollenkonflikte Gründerinnen und Gründer in der neuen Position meistern müssen. Vor allem, wenn die Umsätze hoch gehen, wenn die ersten MitarbeiterInnen eingestellt und Teams organisiert und  die Organisations- und Kommunikationsstrukturen entwickelt werden müssen, kommen die GründerInnen das erste Mal bewusst in die „Chef-Rolle“. Eine ziemlich interessante Herausforderung.

Businessman sitting with cloud technology above his headIm Rückblick war das auch für mich immer ein Aspekt, der mir sehr deutlich bewusst gemacht hat, dass die neue Aufgabe und die neue Stellung zwei Seiten hat: Zum einen – und  das ist wohl das faszinierendste am Unternehmer-Sein – kann man selbst gestalten, die Organisation bzw. das Unternehmen nach seinen eigenen Vorstellungen,  Werten und Idealen formen. Ich mache und gestalte etwas im Unternehmen, das nach Aussen und nach Innen sichtbar ist und eine Wirkung hat.

Zum anderen – das ist die Kehrseite – macht die neue Rolle, die neue Aufgabe aber auch etwas mit mir. Das Unternehmen, die Organisation verändert mich. Nach innen und nach aussen sichtbar und wirksam. Ich z.B. war die ersten Jahre (eigentlich bis heute) rund um die Uhr mit meinen Unternehmen beschäftigt. Alles dreht sich um Aufbau, Ausbau und Sicherung der Organisation(en). (by the way: Verantwortung für Menschen – v.a. für die Angestellten –  kann eine sehr körperliche Erfahrung sein….). Die Gedanken, Ideen und Gespräche sind dominiert durch „Arbeitsthemen“. In meinem sozialen Umfeld hat sich einiges verändert. Ich kenne kaum noch Leute, die nicht irgendwie,  irgendwas mit meiner Arbeit zu tun haben (mal Familie ausgenommen). Und die meisten sozialen Kontakte werden auch dadurch geprägt oder zumindest beeinflusst, dass ich der „Chef“ oder der Auftraggeber  bin. Oft bekomme ich Feedbacks, Anerkennung, Wertschätzung von Leuten um mich herum. Nicht in jedem Fall ist auszuschliessen, dass Form, Inhalt und Duktus der mir gegenüber geäußerten Meinungen durch diese „hierarchische Beziehung“ beeinflusst ist. Häufig mache ich die Erfahrung, dass sich Gesprächsinhalte und Stimmungen ändern, wenn ich zu einer Runde stosse, bei der auch Mitarbeiter von mir sind… Mein Einfluss auf das Miteinander anderer  ist nicht auszublenden…..

Das alles ist OK – ich will auf gar keinen Fall missverstanden werden. Dies ist kein „gejammer“…. Ich liebe meinen Job, meine Aufgabe, meinen Beruf, meine Position. Mich interessiert nur die Frage, die wahrscheinlich jeden Chef interessiert: Wie kriegt man es eigentlich hin, „ganz Chef“ zu sein (also seiner Führungs- und Entscheidungsverantwortung gerecht zu werden) und trotzdem immer authentisch zu bleiben. Und was bedeutet Authentizität eigentlich, wenn wir doch wissen, dass unsere Position und unser Job uns fortlaufend verändert. Kann man sich selbst treu bleiben…. – wenn das „selbst“ im Laufe eines Unternehmerlebens so radikale Wandlungen vollzieht?

Frage an die Chefs unter Euch: Wie hat Euer Job Euch verändert? Wie verändert Ihr Euren Job?

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