Wenn die Wut anklopft….

Ein paar Gedanken zum Umgang mit Ärger im Job

Es gibt Tage, da könnte man sprichwörtlich die Wände hochgehen. Als Geschäftsführer einer gemeinnützigen Organisation, die tagtäglich versucht, im Dschungel aus Bürokratie, Förder- bzw. Kürzungsentscheidungen und manchmal auch weltfremden Rahmenbedingungen das Beste für Kinder, Familien und Nachbarschaften und auch für unsere Mitarbeitenden herauszuholen, kenne ich das nur zu gut.

Manchmal sind es eben genau diese Momente, in denen man merkt: Da steigt Wut auf. Wut über Entscheidungen, die von irgendwelchen staatlichen Stellen getroffen werden, ohne die Realität unserer Arbeit wirklich zu verstehen. Wut auch manchmal über Personen, die stur an alten Überzeugungen, Haltungen oder unzweckmäßigen Regeln und Prinzipien festhalten und nicht sehen, was direkt vor ihrer Nase passiert oder aber einfach nur davon ausgehen, dass ihre Sicht der Dinge, die einzig Richtige ist und dass es zwischen schwarz und weiß keine Grautöne gibt. Inkompetenz gepaart mit Ignoranz und Überheblichkeit macht mich rasend. Noch dazu, wenn diese Personen oder die Institutionen, die sie repräsentieren, eine „Machtstellung“ haben.

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Was stimmt mit mir (nicht)?

Ich habe seit ein paar Monaten nichts mehr auf meinem Blog veröffentlicht. Und auch heute tue ich mich schwer in Worte zu fassen, was ich loswerden will. Ich beobachte mich und stelle fest, dass ich mich selbst und die Welt um mich herum sich in den letzten Jahren heftig verändert hat. Diese Veränderungen lösen in mir unterschiedliche, zum Teil widersprüchliche Gefühle aus. Und was ich daraus machen werde, weiss ich noch nicht. Vielleicht auch ganz gut so.

In meinem Lieblingspodcast „Hotel Matze“ haben sich Matze Hielscher und Philip Siefer Ende März über die „Hierachie der Gefühle“ unterhalten. (Den Podcast findet Ihr auf allen gängigen Podcast-Plattformen). Zwei Sätze, die mir hängengeblieben sind: „Es gibt keine richtigen und keine falschen Gefühle“ und „Selbstführung ist Selbstfühlung“. Das klingt erstmal nicht revolutionär, hat aber in mir ein paar Gedanken ausgelöst. Ich selbst neige dazu, meine Gefühle zu bestimmten Dingen sofort nach dem ich merke, dass ich sie fühle, zu bewerten und in eine Schublade zu packen. Ich ärgere mich über jemanden oder über eine bestimmte Sache, und zack – kommt der Bewertungshammer: „Das ist nicht in Ordnung, dass du jetzt Ärger fühlst, der / die andere hatte sicher gute Gründe, sich so zu verhalten…. Die Sache ist ja auch nicht soooo schlimm, was stimmt mit dir nicht, dass du dich darüber so ärgerst? Denk mal positiv und reiss dich zusammen….“ (Das ist nur ein kleiner Auszug 😉 ) .

In mir ist die Tendenz angelegt, Gefühle als richtig oder falsch einzuordnen und zu bewerten. Ärger, Traurigkeit, Neid, Enttäuschung – das sind „schlechte“ Gefühle. Freude, Fröhlichkeit, Liebe, enthusiastische Hochgefühle sind „gute“ Gefühle“. Ich habe gelernt und akzeptiert, dass „gute“ Gefühle OK sind – „schlechte“ behält man besser für sich. Wenn ich „schlechte“ Gefühle habe, stimmt was mit mir nicht, dann bin ich nicht in Ordnung. Eine Möglichkeit damit anders umzugehen – so Philip Siefer in dem oben erwähnten Podcast: Nimm die Gefühle erstmal „nur“ wahr, akzeptiere, dass sie da sind. Bewerte sie nicht. Guck sie dir an, wo genau in die fühlst du diese Gefühle, was lösen sie bei dir aus?

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