Subsidiaritätsprinzip – in leichter Sprache erklärt

SocialVideo #27

In meinem GF-Tagebuch #26 habe ich in meinem Beitrag Bezug genommen auf das Subsidiaritätsprinzip. Ich weiss natürlich, dass Ihr alle wisst, was das ist. Trotzdem möchte ich Euch dieses kurze Video zum Thema sehr empfehlen. „Es klingt sperrig und abstrakt, aber das Subsidiaritätsprinzip ist grundlegend für die soziale Arbeit in Deutschland. Die Diakonie Bayern erklärt es am Beispiel von Werner und zieht auch einen Vergleich mit anderen Ländern.“

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Immer montags  stelle ich Euch ein Video vor, in dem spezielle Aspekte meines “Kernthemas” Sozialwirtschaft / Sozialarbeit / Social Entrepreneurship vorgestellt, beleuchtet und / oder diskutiert werden. Und hin und wieder empfehle ich auch Dinge, die andere Bereiche unseres Arbeitslebens berühren. Anregungen und Tipps nehme ich gerne entgegen.

Ich freu mich sehr, wenn Ihr diesen Beitrag  (und weitere meiner Beiträge) über Eure Kanäle teilt & weiterleitet. Vielen Dank!

Froh dabei zu sein…..

GF-Tagebuch #25

Manchmal sind die Dinge schwierig. Zäh. Anstrengend. Manchmal hat wohl jeder das Gefühl, dass sich die Dinge nicht in die richtige Richtung entwickeln. Dass man kämpfen muss, dass man viel Kraft aufbringen muss. Manchmal muss man viel Aufwand betreiben, damit die Dinge laufen. Manche Arbeitswoche (selbst im Stadtteilzentrum 😉 ) ist  nicht wirklich vergnügungssteuerpflichtig….. Das ist, wie es ist. Und nicht schlimm. Denn: Alles, was wir tun,  ist selbst gewählt. Eine Entscheidung, die jede/r in voller Verantwortung für sich selbst trifft.

Gestern im Auto habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie ich dieses „Spannungsverhältnis“ als Thema in diesem Blog verwurschteln kann Und dann lief im Radio ein Lied von Philipp Poisel. Diese Lied hat meine Gedanken zu diesem Thema perfekt auf den Punkt gebracht. Und deshalb heute ein Lied, statt eines Textes……:  Froh dabei zu sein!

 

 

 

 

Besuch aus Graz

GF-Tagebuch #23

Anlässlich des Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages (DJHT), der vom 3.-5. Juni 2014 auf dem Berliner Messegelände stattfand, war eine kleine Delegation aus  Graz zu Besuch in Steglitz-Zehlendorf. Ein Gegenbesuch, nach dem im Oktober 2012 und im Februar 2014 Kolleginnen und Kollegen aus unserem Bezirk die zweitgrößte Stadt Österreichs besucht haben. (H I E R  ein Link zum damaligen Bericht…)

KollegInnen aus Graz im KiJuNa

KollegInnen aus Graz im KiJuNa

Graz ist für uns besonders (aber nicht nur) aus einem Grund interessant: Graz hat sich als erste Stadt in Österreich dazu entschlossen, das Fachkonzept der Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe umzusetzen und geht damit einen neuen Weg in der sozialen Arbeit. Seit dem Jahr 2010 gibt es die Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe als Pilotprojekt in Graz. Verbunden wurde die Einführung der Sozialraumorientierung in Graz mit der Einführung eines sog. Sozialraumbudgets: Der Fokus der Finanzierung liegt nun auf Zielerreichung bzw. Fallbeendigung und nicht mehr auf Länge und Anzahl der erbrachten Hilfen. Die Erfolge sind vorzeigbar – die Kosten für sog. „Hilfen zur Erziehung“ konnten deutlich reduziert werden – und das bei i.d.R.  besseren, weil passgenaueren Leistungen für die Betroffenen.

Wenngleich die Einführung eines klassischen Sozialraumbudgets in Berlin aus verschiedenen – insbesondere rechtlichen – Gründen noch „Zukunftsmusik“ ist, wird doch in verschiedenen Bezirken und auch auf Landesebene geschaut, wie man durch Umsteuerung und eine sozialräumliche Ausrichtung der Finanzierung der Jugendhilfe zu besseren UND weniger kostenintensiven  Angeboten kommen kann. Die Region B des Bezirks Steglitz-Zehlendorf startet am 1.7.2014 mit den ersten Angeboten und Aktivitäten im Rahmen eines Modellprojekts „Sozialräumliche Leistungen (SRL)“.

Das gegenseitige Interesse zwischen uns und den BesucherInnen aus Graz war vor diesem Hintergrund natürlich groß. Das Besuchsprogramm spiegelt das wieder: Besuch in der „Villa Folke Bernadotte“ und dem „Nachbarschaftshaus Lilienthal“ der KollegInnen des Mittelhof e.V., Besuch des RSD der Region und fachlicher Austausch mit dem Regionalleiter  in der Beethovenstraße, Besuch im „KiJuNa“ des Stadtteilzentrum Steglitz und im „kieztreff“ – einem Familien- und Nachbarschaftszentrum, das seit 10 Jahren von Stadteilzentrum Steglitz und FAMOS e.V. Berlin gemeinsam betrieben wird.

Der Austausch war hochgradig interessant. Erfahrungen in der sozialräumlichen Arbeit wurden ausgetauscht, Besonderheiten aus den jeweiligen Städten bwz. Regionen hervorgehoben und Ideen transferiert. Die KollegInnen, die alle für den Träger a:pfl (alternative: pflegefamilie GmbH) tätig sind , bedankten sich für die Gastfreundschaft und stellten abschließend fest: „Wir werden den Kontakt weiter ausbauen und den Internationalen Fachaustausch Österreich-Deutschland pflegen.“

Weitere Informationen zum Thema Sozialraumorientierung in Graz findet Ihr hier:

www.graz.at/cms/ziel/4194118/DE/

Informationen und einen   Link zum Modellprojekt Steglitz-Zehlendotf findet Ihr hier:

 www.srl-projekt.de

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Seit November 2013 schreibe ich wöchentlich an meinem “Geschäftsführer-Tagebuch”. Warum ich das tue, könnt Ihr lesen, wenn Ihr H I E R klickt. Ich freue mich, wenn Ihr die Beiträge interessant findet und Ihr sie über Eure Kanäle (Facebook, Twitter  und Co.) teilt und verbreitet!

 

„Narzisstische Show eines Social Entrepreneurs“

GF-Tagebuch #19

Ich bin ein sehr Internet-affiner Mensch. Ich bin unterwegs bei Facebook, google+, Twitter, Instagramm, XING, socialNC und ich habe sogar einen Tumblr – Account – und ich blogge fleissig. Aber das wisst Ihr ja. Facebook ist, was soziale Netzwerke angeht, noch immer meine Homebase. Es ist einfach ein unschlagbares Argument und ein wertvoller USP, dass Facebook so einen enorm hohen Verbreitungsgrad hat. Man findet (fast) jeden und man findet zu fast jedem Thema eine Gruppe oder eine Seite. Das ist für Vernetzung und Austausch und für die Suche nach potenziellen Gessprächs- und Kooperationspartnern eine tolle Sache – ein Riesenpotenzial. Eigentlich.

© frogarts - Fotolia.com

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Ich hatte jetzt – wisst Ihr auch – ein bisschen Urlaub. Ich hatte ein bisschen Zeit bei Facebook zu stöbern und ich habe eine ziemlich gute Gruppe gefunden, die mich sofort interessierte: „Netzwerk Sozialarbeit / Sozialpädagogik“. Mit fast 10.000 Mitgliedern eine sehr lebendige und interessante Gruppe. Und wie schon der Name der Gruppe vermuten lässt, dient diese Gruppe dem Austausch zwischen Sozialarbeitern und Sozialpädagogen aus ganz Deutschland. Literaturempfehlungen, fachliche Fragen, Fragen zu Beschäftigungs- und Vergütungsangelegenheiten …. für fast alle Fragen ist Raum. Ich hielt und halte  es für eine gute Idee, in dieser Gruppe ab und an auf interessante Artikel in meinem Blog aufmerksam zu machen und neue Leserinnen und Leser für meine Seite zu interessieren – geht es bei mir doch auch um die Themen Sozialarbeit und  Sozialwirtschaft. Reaktionen auf einen Link zu meinem Blog haben mich jedoch sehr irritiert und nachdenklich gestimmt – werfen sie doch ein beklemmendes Licht auf unsere Zunft, die sich über weite Strecken immer noch davor scheut wichtige fachliche und gesellschaftliche Fragen ohne ideologische Scheuklappen zu diskutieren.

Ich möchte Euch ein paar Zitate  und Einschätzungen verschiedener Gruppenmitglieder (Sozialarbeiter / Sozialpädagogen) zu mir und meinem Blog  vorstellen:

Frank L.: „Ich bin erschrocken darüber, wie wenig doch das Bewußtsein darüber vorhanden ist, in welchem Widerspruch Soziale Arbeit und neoliberale Politik doch stehen. Wenn uns die Damen und Herren in weißen Hemden lächelnd von ihren Bewerbungsfotos angrinsen, dann grinsen dahinter Lobbyisten und die Fraktion der Sozialabbauparteien. Erkennt ihr nicht die Uniform? Erkennt keiner die narzisstische Egoshow der „Social Entrepeneurs“? Das sind alles nur weitere Versuche Soziale Arbeit ins Prekariat zu drängen und Kritik zu verhindern.“

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Die Sache mit dem Leitbild

GF-Tagebuch #12

Vor einiger Zeit sprach mich eine noch in Ausbildung befindliche Mitarbeiterin am Rande einer TeamsprecherInnen-Runde an. Sie bräuchte für die Schule das Leitbild unseres Vereins. Ob ich ihr das bitte mal mailen würde……. Upps –  kalt erwischt….. In den ersten 18 Jahren unseres Bestehens haben wir es nicht geschafft, ein Leitbild zu erarbeiten….. – und irgendwie gings ja auch immer ohne. Diese Blöße wollte ich mir aber nicht geben – und sagte ihr zu, dass ich ihr „da mal was zuschicken würde….“ In der Folge habe ich mit einer Kollegin zusammen versucht, im Eiltempo ein Leitbild zu erarbeiten. Wir nahmen uns ein paar Muster von befreundeten Organisationen vor, kopierten, schrieben ab, ergänzten und kürzten und  fügten noch  ein paar vorhandene Textbausteine aus vorliegenden Texten ein. Das ganze schön in Form gebracht – machte eine prima Eindruck. Wir hatten ein Leitbild!

© Denis Junker - Fotolia.com

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Das ganze Werk (1 DIN A 4 Seite) mailte ich an die Kollegin – und freute mich, eine scheinbar komplizierte Aufgabe so schnell erledigt zu haben…. Siegesgewiss stellte ich unser neues Leitbild auch gleich in unser internes Firmennetzwerk ein.
Als ich die Kollegin das nächste Mal traf, fragte ich (mit meinem berühmten Siegerlächeln im Gesicht), ob sie das Leitbild erhalten  und in der Schule vorgestellt hätte. Sie sah mich unsicher an, druckste ein bisschen herum … … und antwortete dann sinngemäß: Ja ist angekommen – aber sie  habe es in der Schule nicht abgegeben. „War mir peinlich.“ ….. Upps. Schon wieder kalt erwischt. Alles zu allgemein, hat nicht mit uns, nichts mit unserem Verein zu tun. Sie findet sich darin nicht wieder. Sieht aus, wie irgendwo abgeschrieben….. Upps. Das dritte mal kalt erwischt……

Ich fragte in unseren interenen Runden nach, wie die Kolleginnen und Kollegen das sehen würde. Gleiche Reaktion. „Lauter Selbstverständlichkeiten“, „hat nichts  mit uns zu tun“, „alles austauschbar“, „hat keine Seele“….. Die MitarbeiterInnen waren nicht zufrieden. Und sie meldeten an, dass sie beteiligt werden möchten an der Entwicklung eines Leitbildes……

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GF-Tagebuch #8: Berufswahl und andere Defekte…..

Während meines Studiums der Sozialarbeit hatte ich auch das Vergnügen, das Seminar  Sozialpsychologie zu besuchen. Das Einzige, was mir aus diesem Seminar in Erinnerung geblieben ist, ist ein sehr provokanter Satz unseres Dozenten: „Berufswahl ist Symptomwahl„. Was er damit meinte,  war wohl, dass wir die Berufe wählen, von denen wir vermuten, dass sie am ehesten geeignet sind unsere persönlichen Defizite und emotionalen und mentalen Bedürfnisse zu befriedigen. Ganz plump: wer als Kind stark unter Benachteiligung oder sozialer Ungerechtigkeit gelitten hat, wird  mit größerer Wahrscheinlichkeit einen sozialen Beruf wählen, als junge Menschen die diese Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen nicht erlebt haben.

Jetzt wisst ihr, warum ich Sozialarbeiter geworden bin.

© Dmitry Naumov - Fotolia.com

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Manchmal ist es notwendig, in sich zu gehen, und zu überlegen, warum man die Dinge tut, die man tut. Warum habe ich diesen Beruf gewählt? Warum sorge ich im Rahmen meiner Möglichkeiten dafür, dass wir uns im  Stadtteilzentrum Steglitz e. V. oder in der garage berlin GmbH um die  Dinge kümmern, um die wir uns kümmern? Warum engagieren wir uns für andere Menschen, warum kümmern wir uns um die Probleme anderer Leute ? Was wollen wir bewirken? Wofür wollen wir stehen? Was treibt uns an?

Für mich, glaube ich, habe ich die Antwort gefunden. Dies ist mir am Donnerstagabend in der Teamsitzung der .garage berlin wieder sehr bewusst geworden: Es befriedigt mich, anderen Menschen zu helfen, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Es macht mich glücklich, wenn ich sehe, dass ich einen Beitrag dazu leisten kann, dass andere Menschen bessere Möglichkeiten und bessere Perspektiven für sich selbst entdecken und verfolgen können. Ich finde es grandios, wenn ich zusehen darf, wie andere Menschen über sich selbst hinaus wachsen. Ich bin begeistert von Menschen, die wieder aufstehen und weitermachen, nachdem sie zum fünften Mal aufs Maul gefallen sind. Das ist ein Leitsatz unserer Arbeit: Jeder Mensch hat das Recht und die Pflicht, das Beste aus seinem Leben zu machen. Und denen, die dieses Recht nutzen, stehen wir solidarisch zur Seite. Viele Menschen haben mit  besonderen Benachteiligungen zu kämpfen. Manche wachsen in Armut auf oder werden  lieblos erzogen. Manche  haben körperliche oder psychische Beeinträchtigungen, die ein „normales“aufwachsen schwerer erscheinen lassen. Andere sind Opfer sexueller Gewalt oder müssen ähnlich traumatisierende  Demütigungen über sich ergehen lassen. Viele Menschen haben das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, überflüssig zu sein. Ihr Leben scheint keinen Sinn zu haben. Diesen Menschen ein Partner zu sein, diesen Menschen zu helfen, ihren Weg zu gehen, diesen Menschen solidarisch zur Seite zu stehen: das ist unsere Art das Leben zu feiern!

Wofür steht Ihr? In was für einer Welt wollt Ihr leben –  und was tut ihr dafür?

Woran sollen sich die Nachfolgenden erinnern, wenn sie von Euch reden?

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GF-Tagebuch #7: Reden hilft. Immer.

Ich glaube, ich habe selten soviel geredet und soviel zugehört wie in der letzten Woche. Ich komme auf 28 Besprechungstermine in der zurückliegenden Woche. „Tür-und Angel-Gespräche“ und private Termine nicht mit gerechnet. Bei soviel Terminen und Meetings bleibt wenig Zeit für die „normale“ Büroarbeit. Diese Schreibtischarbeit mache ich dann am Samstag nachmittag im Büro oder  im HomeOffice. Das ist zwar nicht richtig lustig am Schreibtisch zu sitzen während andere gemütlich auf der Couch rumlümmeln und Sportschau sehen – aber ich nehme diesen Nachteil hin und wieder gern in Kauf. Denn ich möchte auf den allergrößten Teil meiner Besprechungen und Gespräche nicht verzichten. Du kannst noch so toll ausgestattet sein mit neuester Kommunikationstechnik und den abgefahrenen Apps – nichts von alledem ersetzt das persönliche Gespräch, die persönliche Begegnung. Ob Planungstermine mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Abstimmungsrunden mit Kooperationspartnern, Input in kleinen Arbeitsgruppen, Teamsitzungen oder Treffen mit Mitbewerbern und Kunden: Immer wieder wird mir der Wert der persönlichen Begegnung, des Gesprächs bewusst. Tonfall, unausgesprochene Worte zwischen den Worten, Nervosität und Anspannung beim anderen – oder bei mir, Blicke, Gesten… Häufig sind es diese Teile des Kommunikationsgeschehens, die den Charakter und den Verlauf von Begegnungen bestimmen.

© Trueffelpix - Fotolia.com

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In dieser Woche war ich mit dem Vorstand unseres Vereins auf „Tour“ durch einige Einrichtungen des Stadtteilzentrum Steglitz. Schwerpunktmäßig haben wir für die Besuche solche Standorte ausgewählt, von denen wir wussten, dass die Bedingungen für die Mitarbeitenden dort schwierig sind: Lärm und beengte Raumsituation, ungünstige Rahmenbedingungen, die von dritten vorgegeben werden, oder schwierige Situationen mit herausfordernden Eltern herausfordernder Kinder. Bedingungen, die in den besuchten Einrichtungen durch den Verein nicht zu beeinflussen sind. In solchen Situationen zeigt sich, ob in der Organisation Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung vorhanden sind – oder eben nicht. Es hat mich ungemein gefreut, dass beide Seiten – unser Vorstand und die Teams, die wir besucht haben – sofort einen offenen und von gegenseitiger Wertschätzung geprägten „Draht“ zueinander hatten. Da kann  die eine Seite über Missstände und die andere über die eigene Machtlosigkeit klagen – am Ende sind sich aber alle einig, dass sie gemeinsam daran arbeiten, dass es besser wird. Das gefällt mir. Da müssen wir in der Vergangenheit einiges richtig gemacht haben.

Der Vorstand – dem ich in regelmäßigen Sitzungen immer und immer wieder berichte, wie und woran in unseren Projekten gearbeitet wird – war vollkommen begeistert von dieser Tour und will solche Projektbesuche jetzt (wieder) öfter machen. Die Kollegen sind begeistert von neuen Eindrücken, von direktem Feedback und authentischer Information. Ich selbst merke: mir tut das auch gut. Immer mal wieder rein in den Alltag unserer Einrichtungen, rein in die Projekte. Angucken, sehen, hören, riechen, spüren, was den Arbeitsalltag unserer Mitarbeitenden und unserer Kunden ausmacht. Stimmungen, Meinungen und Feedback einsammeln – direkt bei den KollegInnen vor Ort. Das ist, glaube ich, ein notwendiger Schritt, ein besserer Geschäftsführer zu werden. Ein wichtiger Schritt, bessere Ideen für die Verbesserung unserer Angebote und der Arbeitsbedingungen zu entwickeln……

Mein Schreibtisch ist toll. Meine Kommunikationsinstrumente sind die besten….. Aber eins bleibt sicher: Reden (und zuhören)  hilft. Direkt. Von Mensch zu Mensch. Immer.

Mal eine Frage an andere Chefs in meiner Leserschaft (und solche, die es werden wollen): Wir kriegt Ihr das hin – Eure Jobs im Leitungsbereich, Organisation, Administration, Unternehmensführung…… und und und….. – und gleichzeitig den Blick und den Kontakt für die „Basis“ nicht zu verlieren….? Erfahrungsberichte würden mich interessieren…..

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GF-Tagebuch #3: Wir evaluieren uns zu Tode

Das war eine schöne Woche. Erster Termin der Woche am Montag : die Unterzeichnung der Vereinbarung mit dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf über die Zusammenarbeit mit unserer Kita „Lankwitzer Maltinis“ im Rahmen des Landesprogramms „Kitas bewegen – für die gute gesunde Kita“; letzter Termin der Woche: die grandiose Charity-Veranstaltung für das Projekt jugendnotmail.de unseres Mitglieds „jungundjetzt e.V.“! (Der Verein  ist als juristische Person Mitglied im Stadtteilzentrum Steglitz). Die Veranstaltung war phantastisch organisiert und vorbereitet (DANKE an  Toni Mampel und ihr Team) und zahlreiche Gäste genossen die schöne Stimmung und das musikalische Programm („Telte  live“) – und spendeten fleissig. Über 2600.- € sind an diesem einen Abend zusammengekommen….. Klasse!
Zwischen diesen beiden Höhepunkten dann Besprechungen, Mitarbeitergespräche, zwei Vorstellungsgespräche für die Stelle der Leitung einer Kita unseres Vereins, Abschluss der Jahreszielplanung mit den Leitungskräften der .garage berlin, eine Besichtigung von neuen Büroräumen für unsere Geschäftsstelle  und eine Planungssitzung zur weiteren Arbeit im Modellprojekt „Sozialräumliche Leistungen“.

© olly - Fotolia.com

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Und „nebenbei“ fangen wir jetzt an, die Daten, Zahlen und Leistungsdokumentationen  für die im ersten Quartal fälligen Verwendungsnachweise und Sachberichte aufzubereiten und zu strukturieren. Ich muss zugeben, dass sich in mir immer ein gewisser Widerstand gegen bestimmte Berichtsformen aufbaut. Ich finde es natürlich richtig und notwendig zu überprüfen, ob die vereinbarten Ziele bzw. Vorgaben erreicht und umgesetzt wurden und ob die von verschiedenen Stellen finanzierte Arbeit die gewünschte Wirkung erzielt hat. (Über die Messung von Wirkungen sozialer Arbeit wurde an DIESER STELLE schon mal geschrieben….) Aber : der Umfang und das Ausmass der diversen Nachweise und Berichte nehmen eine Form an, die teilweise kaum noch beherrschbar ist. Dahinter steckt der offenkundige Wunsch jeden Teilbereich eines Projektes, jeden Aspekt  der Arbeit einer Einrichtung und  die Vielzahl der Tätigkeiten  im Rahmen der verschiedenen Arbeitsfelder sozialer und pädagogischer Arbeit allumfassend zu „evaluieren“:  „Interne und externe Evaluation“ in den Kitas;  Modellprojekte (wie das oben genannte Projekt „Kitas bewegen“) werden als „Instrumente der internen Evaluation“ angepriesen;   umfassende Erhebung bzw. Abfrage von Daten aller Art zur Evaluation der Zielgenauigkeit des Mitteleinsatzes.

Sammelwut ohne Grenzen

Ein paar Beispielabfragen gefällig?: „Detaillierte Angaben zu Anzahl, Art und Größe (qm)  der im Berichtszeitraum genutzten Räume“;  „Anteil der Besucher/innen mit Migrationshintergrund mit %-Angaben (geschätzt) zur Zuordnung zu den Nationalitäten Englisch, Spanisch, Französisch, Türkisch, Serbe-Kroatisch, Russisch, Vietnamesisch, Arabisch, Kurdisch, Andere … im Berichtszeitraum“; „Ausführliche Darstellung zu Kooperationen und Netzwerkbildung und zum Stand der Qualitätssicherung (ausführliche Darstellung der Vereinbarungen, Maßnahmen und Ergebnisse“; „Wieviele Kinder und Jugendliche besuchen den Normalbetrieb der Einrichtung – Angaben getrennt nach „regelmäßig“ und „nicht-regelmäßig“ und gesondert nach Altersklasse 6-9 Jahre, 10-13 Jahre, 14-17 Jahre, 18-21 Jahre, 22- 26 Jahre und 27 Jahre und älter – dies nochmal  jeweils getrennt nach Grundschüler/innen, Sekundarschüler/innen, Gymnasiast/inn/en, Gesamtschüler/innen und Sonderschüler/innen bzw. bei älteren getrennt nach „in Ausbildung“, „in Berufsbildungs- oder Berufsvorbereitungsmaßnahmen“, im „Studium“, „berufstätig“, „arbeits- /ausbildungslos“ (hierbei mit Anzahl der Arbeitslosen ohne Schulabschluss) – und natürlich mit Angaben des jeweiligen Anteils der Besucher mit Migrationshintergrund in der jeweiligen Altersgruppe.“

Das war nur ein kleiner Auszug aus dem Berichtsraster  einer Verwaltung für eines unserer Projekte. Wir haben zahlreiche Projekte und Einrichtungen und arbeiten mit zahlreichen Verwaltungen und Mittelgebern zusammen – und jeder dieser Partner hat seine eigenen Schwerpunkte und Vorlieben , wenn es um das Sammeln von Daten geht……

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin sehr dafür, dass wir gemeinnützigen Träger die  zweckentsprechende Verwendung unserer Mittel nachweisen und ich bin dafür, dass die Wirkung der eingesetzten Mittel überprüfbar gemacht  und transparent kommuniziert wird. Geeignete Messinstrumente hierfür gibt es – man kann sie auch in der sozialen Arbeit einsetzen. Aber mal im Ernst: Glaubt Ihr wirklich, dass diese vollkommen irre Sammlung von Daten, Zahlen, Prozentpunkten, Quoten und qm-Angaben in irgendeiner Weise geeignet ist, die Qualität und die Wirkung sozialer Angebote zu messen und zu bewerten? Und „by the way“: Wieviele Menschen sind eigentlich damit beschäftigt, diese schier unglaubliche Datenmenge zu ordnen, zu dokumentieren, auszuwerten und für politische Entscheidungsprozesse aufzubereiten? Hat jemand mal ausgerechnet was dieser Irrsinn kostet? Berlinweit? Bundesweit?

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Geschäftsführer-Tagebuch #2

Neues Jahr – neues Bündnis

Erwartungsgemäß gings gleich wieder richtig zur Sache in KW 2, meiner ersten „richtigen“ Arbeitswoche in diesem Jahr. Lange und gut genug vorbereitet hatte ich mich ja…. – wie Ihr HIER wahrscheinlich schon gelesen habt.

Zeit für neuesDie Woche war geprägt von langen Listen mit  Tagesordnungspunkten für die wöchentlichen Mitarbeiterbesprechungen und die ersten Gremien und Sitzungen in diesem Jahr. Herausstechend war neben der Redaktionssitzung des Blogs Jugendhilfe-bewegt-berlin.de beim DPW vor allem die gemeinsame Sitzung des Beirates und der Steuerungsgruppe Schule-Jugendhilfe im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Berlinweit wird versucht, durch Anpassung von Abläufen, Organisations-  und Arbeitsstrukturen und vor allem durch gemeinsame Projekte, die absurde Trennung (real und in den Köpfen der Beteiligten) der Bereiche Schule und Jugendhilfe zu überwinden. Noch allzu oft arbeiten beide Systeme parallel zueinander, ohne sich aufeinander zu beziehen. Vormittags „mein“ Kind in der Schule, nachmittags „dein“ Kind in der Jugendeinrichtung. Wenn Probleme „am Kind“ auftauchen und das Kind in der Schule auffällig wird, wird Jugendhilfe quasi als Reparaturbetrieb zur Hilfe gerufen. Das störende Kind wird schlimmstenfalls aus dem System Schule entfernt, gemeinsam mit den Eltern in professionellen Jugendhilfe-Settings bearbeitet und dann irgendwann repariert, zumindest therapiert, wieder dem Lernbetrieb zugeführt. Zugegeben: Das ist überzogen. Und ja: es gibt auch viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die auch jetzt schon den Blick „über den Tellerrand“ ihres Klassenzimmers wagen. Aber Fakt ist:  Strukturell und in den Haltungen der Beteiligten liegt da noch einiges im argen.

In Steglitz-Zehlendorf wächst zusammen, was zusammen gehört…

Steglitz-Zehlendorf ist da schon weiter als viele andere Bezirke – und nicht zu Unrecht blicken viele Akteure aus Berlin auf unseren Bezirk. Die Arbeit der Steuerungsgruppe Schule-Jugendhilfe und aller  am Prozess der Entwicklung und Umsetzung eines bezirklichen Rahmenkonzeptes beteiligten Organisationen, Verwaltungsabteilungen und Fachkräfte haben schon zu deutlichen Veränderungen und Fortschritten in der Zusammenarbeit geführt. In der gestrigen Sitzung nun, drückte sich das gemeinsame Verständnis der Zusammenarbeit und die miteinander entwickelte neue Haltung in einer Umbenennung des Bezirksprojektes aus: Wir sind jetzt das „Bündnis für Bildung“ – versehen mit dem Zusatz „vernetzen – kooperieren – mitmachen“. Das ist großartig – denn hier drückt sich ein vollkommen anderer – zeitgemäßer – Bildungsbegriff aus. Bildung ist viel mehr als die reine Wissensvermittlung in den Klassenräumen. Eine Binsenweisheit, aber immer noch nicht in allen Niederungen der Gesellschaft angekommen.

Bildung findet überall statt

Wir behaupten: Jeder Mensch hat das Recht – möglicherweise auch die Pflicht – das Beste aus seinem Leben zu machen. Den Prozess der Aneignung aller Fähigkeiten und Kenntnisse, die man dafür braucht, nennen wir Bildung. Hierbei spielt es überhaupt keine Rolle an welchem (Lern-) Ort Bildung erfolgt. Bildung findet statt in der Familie, in der Kita, im Freundeskreis, auf der Straße, auf dem Fussballplatz, im Shopping-Center. Wenn man Glück hat, auch im Klassenraum einer Schule….

Wenn Ihr Euch mehr für die Arbeit unseres bezirklichen Bündnisses für Bildung interessiert, empfehle ich Euch sehr, unseren Blog Schule-Jugend-SZ zu besuchen.

Ich freu mich riesig, an diesem Projekt in unserem Bezirk mitarbeiten zu dürfen. Aber das habt Ihr Euch wahrscheinlich schon gedacht. 😉

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KW 49: (K)ein Ende in Sicht…..

Noch zwei Wochen, dann lassen wir hier in der Geschäftsstelle die Rollläden runter, klappen die Laptops zu, schalten den Kopierer ab….. und lassen alle „fünfe gerade sein“. Die meisten unserer Einrichtungen können eine kleine Weihnachtspause einlegen oder „zwischen den Jahren“ zumindest den Betrieb ein bisschen runterfahren. Man kann von Weihnachten halten, was man will. Schön ist es allemal, wenn man zum Ende eines geschäftigen und arbeitsreichen Jahres ein bisschen verschnaufen , ein bisschen „runter fahren“ und neue Kräfte sammeln kann.

Noch ist es aber nicht soweit. Vor die Weihnachtspause hat der liebe Gott die Vorweihnachtszeit und den Jahresendspurt gelegt – und diese Zeit  ist auch bei uns im Verein nochmal so richtig herausfordernd. In der letzten Woche war bei mir nochmal so richtig Sitzungs- und Besprechungsmarathon: AG 78 in der Region B, interne Planungsrunde „Umstellung Buchhaltung“, SRL-AG, Online-Dienstag in der .garage, Leitungskreis .garage, interne AG „Lernwerkstatt“, Steuerungsgruppe Schule-Jugendhilfe,  Kooperationsgespräch in der .garage (eine neue und riesige Chance für die .garage …. dazu ein anderes mal mehr), u.v.m.!  Und zu guter Letzt: heute nachmittag Weihnachtsfeier für die Besucherinnen und Besucher im KiJuNa und morgen Abend die legendäre  MitarbeiterInnen-Weihnachtsfeier für alle Beschäftigten des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. ….. Die nächste und die übernächste Woche sehen  ähnlich voll und toll aus. Zwischendurch bin ich vollkommen K.O. und sehne mich nach einer Pause.

AbholzungIch finde diese Stimmung und  die „Quirligkeit“ am Ende des Jahres  trotzdem schön. Die letzten Termine und  Aktivitäten des Jahres haben oftmals was von „das bringen wir noch zu Ende“ oder „damit legen wir schon mal die Grundlage für ein tolles Projekt oder Vorhaben im nächsten Jahr“. Dieser „Schnitt“ zwischen zwei Jahren hat für mich immer etwas  „magisches“. Eine ganz besondere Energie, die ich zu anderen Jahreszeiten häufig nicht so deutlich spüre.  Und das Beste: Ich spüre diese Energie auch bei vielen Kolleginnen und Kollegen im Verein. Stolz und Zufriedenheit mit dem, was in diesem Jahr erreicht wurde; Neugier, Spannung und Vorfreude auf das, was das nächste Jahr bringt. Und zwischendurch das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung. – Zeit, die Säge zu schärfen.