Heute war ich bei einer Beerdigung. Eine Mitarbeiterin unseres Vereins hat ihren langen Kampf gegen den Krebs verloren. Sie starb im Alter von 40 Jahren. Zu früh. Viel zu früh. Rund 25 Menschen haben sich zu der Trauerfeier in Tempelhof zusammengefunden. Ihr Vater, ein zerbrochener, kranker Mann. Freunde. Wegbegleiter, ein paar ehemalige Kolleginnen aus dem Stadteilzentrum. Ein paar Kinder, die sie noch aus ihrer Tätigkeit als Horterzieherin kannten.
Die Trauerfeier beginnt pünktlich. Es werden ein paar CD´s angespielt. Melancholische Lieder. Traurige Lieder. Bei zwei Liedern streikt der friedhofseigene tragbare Kompakt-CD-Player. Offensichtlich kann er die selbstgebrannten CD´s nicht lesen. Nach 15 Minuten ist alles vorbei. Die Trauergemeinde folgt der Urne. Dem Vater. Den nächsten Angehörigen. Die Urne verschwindet in einem kleinen Erdloch. Wir legen Blumen ab, werfen Sand auf die Urne. Nach noch einmal 15 Minuten sind alle fertig. Die Feier ist beendet. Alle gehen nach Hause. Zurück in ihr Leben. Und in der ganzen Zeit wurde kein einziges Wort gesprochen. Keine Trauerrede. Keine Ansprache. Keine wörtliche Anteilnahme. Ein Mensch geht. Ein junger Mensch hat Abschied genommen. Und niemand sagt etwas. Ich auch nicht. Aber mir gehen viele Gedanken durch den Kopf: Wer wird etwas sagen, wenn ich gehe? Was wird gesagt werden? Was soll über mich und mein Leben gesagt werden, wenn ich gehe? Und warum? Sehr schnell stellt sich mir die Frage nach dem Lebensziel. Nach meinem Lebensziel. Wofür lohnt es sich zu leben und zu kämpfen? Wofür brenne ich? Wofür möchte ich geschätzt und geliebt werden? Wofür schätze und liebe ich mich selbst? Und wofür nicht? Was habe ich gut gemacht in diesem Leben? Was nicht? Was soll bleiben von mir in den Herzen der Menschen, die mich kannten……? Was soll bei meiner Trauerfeier, bei meiner Beerdigung über mich gesagt werden? Ich spüre: Wenn ich auf diese Fragen meine Antworten gefunden habe, habe ich meinen Lebenssinn gefunden. Eine herausragende Herausforderung.
Mein Freund Andreas und ich gehen schweigend zum Auto. Wir versprechen uns gegenseitig, dass der, der länger bleiben darf, für den anderen ein paar Wort spricht bei der letzten Zusammenkunft, beim letzten „Meeting“ mit Freunden, Kollegen und den Liebsten. Niemals soll ein Leben so ganz ohne Worte, so ganz sprachlos verabschiedet werden. Nie soll auf (m)einem Grabstein stehen: „Ohne Worte“…………………………….
Besser kann man den den Prozeß zur Definition des “ Lebenssinnes “ nicht in Worte fassen ! Vielen Dank für diese sehr tiefgehende Einsicht !
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