
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
Als diese Woche zwei Zuwendungsbescheide des Landes Berlins für zwei Projekte bei uns eingingen, stiess es mir mal wieder auf. Und wenn ich anfange darüber nachzudenken, muss ich aufpassen, dass ich nicht zum Rumpelstilzchen werde. Es geht um Eigenmittel, die frei-gemeinnützige Träger aufbringen müssen, wenn sie Aufgaben für die Allgemeinheit erbringen. Warum eigentlich?
Wir nehmen es in der Regel schon widerstandslos hin und selten höre ich, dass das Thema in der öffentlichen Diskussion thematisiert wird: Wenn frei-gemeinnützige Träger Aufgaben zum Wohle der Allgemeinheit übernehmen – egal ob in der Kinder- und Jugendarbeit, beim Betrieb von Kitas, in der Familien- und Stadtteilarbeit – wird von ihnen verlangt, dass sie „Eigenmittel“ einsetzen und sich mit diesen an der Gesamtfinanzierung des Projektes beteiligen. Begründet wird dies wohl mit „Subsidiaritätsprinzip“, wonach zunächst eigene Ressourcen einzusetzen sind, bevor staatliche Unterstützung geleistet wird. Im Kern finde ich das allerdings abwegig.
Stellt Euch dieses Modell mal auf andere Branchen und Wirtschaftszweige bezogen vor: bei einer Ausschreibung für den Bau einer Schnellstraße wird von der Baufirma erwartet, dass sie 20% der Baukosten selbst trägt.
Diese Eigenmittel für die vom Staat gewünschte Infrastrukturmaßnahme darf sie dann über Spenden der Bürger*innen, eine Crowdfunding-Kampagne oder irgendwelche Sponsoringerlöse „erwirtschaften“. Alternativ bleibt es der Baufirma auch überlassen, einen Teil der Arbeitsleistung unbezahlt über ehrenamtlich engagierte Bauarbeiter*innen oder durch am Erfolg des Projektes interessierte, bürgerschaftlich engagierte Bürger*innen erbringen zu lassen – die so eingesparten Personalkosten können dann als Eigenmittel angerechnet werden.
Klingt absurd? Im Sozialbereich allgemeine Praxis. Je nach Aufgabe und Zuwendungsgeber haben frei-gemeinnützige Organisationen i.d.R. zwischen 10% und 30% der entstehenden Kosten selbst zu tragen bzw.- über Eigenmittel einzubringen. Ich finde, dass dieses Thema mal (wieder) breit diskutiert werden sollte – und Ziel sollte es sein, dass soziale Arbeit – ähnlich wie die Leistungen in anderen Bereichen, die der Absicherung der Infrastruktur in Deutschland dienen – auskömmlich in Form einer 100%igen Vollfinanzierung finanziert werden.
Hört man da was von den großen Wohlfahrtsverbänden? Aus der Politik? Oder übersehe ich einen wesentlichen Aspekt, der gegen eine Vollfinanzierung sozialer Arbeit sprechen könnte?
Da muss ich als AWO-Mensch voll recht geben! Und dann kommen für die Wohlfahrtsverbände noch die Overheadkosten dazu, die erwirtschaftet werden müssen. Wir sind nicht kämpferisch genug!
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