Albert Einstein soll mal gesagt habe, „man solle alle Dinge, so einfach wie möglich machen, aber nicht einfacher.“
Das kommt meinem aktuellen Bedürfnis nach „Einfachheit“ sehr entgegen.
Zu meinen Stärken gehört es wohl, dass ich ein hohes Maß an Resilienz habe und bisher gut mit Komplexität umgehen konnte. Letzteres verändert sich aber gerade. Kann sein, dass das so ein „Altersding“ ist, dass ich mich zunehmend schwer damit tue, Komplexität zu erfassen und zu durchdringen. Möglicherweise liegts aber auch gar nicht an mir, sondern daran, dass die Dinge tatsächlich immer komplexer werden. Eine Entscheidung, hat mitunter Auswirkungen auf 100 verschiedenen Ebenen und Effekte auf ganz entfernte Prozesse, die ich beim besten Willen gar nicht mehr mitgedacht kriege. Die Systeme mit und in denen ich arbeite werden immer vielschichtiger, komplexer und komplizierter und die Ergebnisse lassen sich dann auch noch auf ganz unterschiedliche Weise interpretieren.
Da ich auf diese Dinge kaum Einfluss habe, versuche ich, da wo ich „bestimmen“ kann, Komplexität zu reduzieren: Der Kleiderschrank wird „ausgemistet“, weil ich sowieso immer die gleichen Klamotten trage. Die Programme und Apps auf meinen digitalen Geräten, mit denen ich länger als drei Monate nicht gearbeitet habe, werden gelöscht. Keine To-Do-Listen mehr, kein komplexes (und teilweise kompliziertes) Zeit- und Selbstmanagement- System mehr. Alles reduzieren auf Kalender, Notiz-App, Mail- und TEAMS-Kommunikation.
Letztens habe ich hier in der Blog-Rubrik „Produktivität“ rumgestöbert (https://mampel.blog/category/produktivitat/) und mich fast ein bisschen darüber amüsiert, wie viele unterschiedliche Dinge und Werkzeuge ich ausprobiert habe, um mich und meinen Job zu organisieren. Und ebenso häufig wie ich, habt auch Ihr sicher schon die Erfahrung gemacht, dass die Dinge sowieso selten so kommen, wie man sie mit seinen ausgefeilten Planungsmethoden vorausgedacht hat. So wie John Lennon gesagt hat: „Leben ist das, was passiert, während du andere Pläne machst.“
Für meinen Job versuche ich grad runter zu brechen, wie eine weitere Reduzierung von Komplexität konkret aussehen könnte. Ich bin da noch am drauf rumkauen und hab nicht viele Antworten.
Meine bisherigen Gedanken und Ansätze:
- weniger Meetings, mehr Gespräche;
- prüfen, ob man noch Projekte machen sollte, die einen hohen (und oft unsinnigen) bürokratischen Aufwand nach sich ziehen;
- radikale Lösungen sind meist gute Lösungen;
- operative Hektik ist meist ein Zeichen geistiger Windstille;
- sich um die Dinge kümmern (und so weit wie nötig organisieren), die wirklich wirklich wichtig sind, und dem „Kleinkram“ nicht zu viel Energie und Aufmerksamkeit schenken;
- aufhören mit Zeitmanagement und Selbstorga.
- #einfachmachen
Ist Komplexität für Euch ein Thema? Was macht das mit Euch? Wie geht Ihr damit um?
Hallo Thomas,
was du beschreibst erlebe ich bei mir auch. Ich glaube tatsächlich, dass es an der wachsenden Komplexität und stärkeren Vernetzung der verschiedenen Systeme und Projekte liegt. Dadurch ergeben sich einfach mehr Wechselwirkungen als „früher“.
Eine neugierige Nachfrage: Landen Aufgaben dann bei dir im Kalender und in der Notiz-App? Oder verlässt du dich darauf, dass wichtige Dinge von selbst wieder kommen?
Viele Grüße,
Christian
LikeLike
Lieber Christian, ja, ich mache das (fast) ausschlieslich über den Kalender. Aufgaben, die an einem bestimmten Tag erledigt sein wollen, werden dort eingetragen, alle anderen immer auf den nächsten Sonntag, so dass ich sie mir von dort in den Tag ziehen kann, an dem ich sie erledigen werde. In Outlook kann ich diese Einträge als Aufgabe kategorisieren, so dass ich auch optisch (farblich) sofort sehe, was ist ein klassischer Termin, was eine Aufgabe (die gewöhnlich nicht auf eine konkrete Uhrzeit festgelegt sein muss). Klappt gut. Wie machst du es?
Herzliche Grüße, Thomas
LikeLike
Danke dir für den Einblick, Thomas.
Ganz so einfach bekomme ich es noch nicht hin. Ich habe, nach zig To-Do-Apps, mich für Nextcloud Decks und damit ein Kanban-Board entschieden. Keine Unterabhängigkeiten, komplizierten Tags oder ähnliches mehr. Fünf Spalten, pro Aufgabe eine Karte und gut.
Also immer noch Kalender und Aufgaben getrennt, aber deutlich entspannter als früher. Ich konsolidiere aktuell ohnehin viel in der Nextcloud, will meine Daten wieder unter eigener Kontrolle haben.
LikeGefällt 1 Person